Person
Das Wort “Person” besitzt eine außergewöhnliche Bedeutungsbreite: Es kann ein bloßes Zählwort sein, einen Namen, eine soziale Rolle, eine Idee, ein einmaliges Wesen, eine geistige Substanz, einen Würdebegriff oder ein Wesen mit bestimmten Fähigkeiten bezeichnen. Die Dissertation unterscheidet achtzehn verschiedene Bedeutungen des Wortes (vgl. Bexten 2017, S. 61—65). Die meisten philosophischen Kontroversen um die Person rühren daher, dass verschiedene Gesprächspartner mit demselben Wort etwas völlig Verschiedenes meinen — und das, ohne es zu bemerken.
Im Kern des hier vertretenen substanzontologischen Personbegriffs steht die Einsicht: Eine Person ist ein Jemand, kein bloßes Etwas — ein einmaliges, unwiederholbares, eigenständiges Wesen mit vernünftiger Natur. Boëthius hat die klassische Definition formuliert: “Die Person ist ein einmaliges eigenständiges Wesen mit vernünftiger Natur.” Thomas von Aquin ergänzt: “Die Person bezeichnet das Vollkommenste in der gesamten Natur.” Der Personbegriff ist zugleich immer ein Würdebegriff, wie schon Alexander von Hales feststellte: “Die Person ist eine Sache der Sittlichkeit, weil sie eine Eigentümlichkeit der Würde ausdrückt.”
Das Personsein ist keine hinzutretende Eigenschaft, sondern das eigenständige Wesen selbst — das Zugrundeliegende aller Fähigkeiten. Es ist ein Urphänomen, das sich nicht auf Unpersönliches zurückführen lässt. Wer die Person auf ihr Personverhalten reduziert, verwechselt den Seinsgrund mit seinen Äußerungen. Die Personalistische Norm besagt, dass die Person um ihrer selbst willen zu bejahen und zu lieben ist.
Kapitelzuordnung: Kapitel 3: Was ist eine Person?, Kapitel 1: Einleitung
Ontologische Einordnung: Oberbegriffe: Geistige Substanz, Urphänomen; Unterbegriffe: Menschliche Person, Nicht Menschliche Person
Ontologische Beziehungen:
- übertrifft an Dignität: Tierische Substanz
- disjunkt mit: Künstliche Intelligenz, Ware
Siehe auch: Personsein, Personverhalten, Jemand, Würde, Substanz, Seele, Leib, Leib-Seele-Einheit, Erkenntnis, Freiheit, Liebe, Embryo, Personvergessenheit, Menschliche Person, Natur, Urphänomen, Personalistische Norm, Selbstbewusstsein, Vernunft, Innerlichkeit, Intentionalität, Selbsttranszendenz, Bejahung, Akt und Potenz, Form und Stoff, Agere sequitur esse, Basale Relationen, Personbegriff, Substanzontologischer Personbegriff, Empirisch-funktionalistischer Personbegriff, Relationaler Personbegriff, Demenz, Befruchtung, Personales Leben, Metaphysik, Wesensgesetz, Dritte Dimension, Zweite Dimension, Erste Dimension, Robert Spaemann, Thomas von Aquin, Boëthius, Josef Seifert, Karol Wojtyła, Rene Descartes, Martin Heidegger, Kapitel 4: Personsein, Kapitel 3: Personbegriff