Alexander von Hales (1185—1245)

Alexander von Hales — franziskanischer Theologe und Philosoph des 13. Jahrhunderts — hat die Personbestimmung des Boëthius um eine entscheidende Dimension erweitert: die Würde. Damit hat er den Personbegriff als Würdebegriff explizit gemacht.

Schlüsselbeitrag

Alexander von Hales definiert die Person als “hypostasis distincta proprietate ad dignitatem pertinente” — “ein eigenständiges Wesen, das sich durch eine der Würde zugehörige Eigentümlichkeit auszeichnet”. Damit sagt er: Person zu sein ist nicht nur eine ontologische Tatsache, sondern zugleich eine Würdetatsache. Der Personbegriff ist immer schon ein Würdebegriff. Wer “Person” sagt, sagt damit etwas über die unvergleichliche Vollkommenheit und Dignität dieses Wesens (vgl. Bexten 2017, S. 125 ff.).

Zentrale Ideen im Buch

Person als Sache der Sittlichkeit

Alexander formuliert: “Die Person ist eine Sache der Sittlichkeit, weil sie eine Eigentümlichkeit der Würde ausdrückt.” Damit verbindet er Ontologie und Ethik: Das Sein der Person (Personsein) begründet unmittelbar die sittliche Forderung, die Person als Jemand zu achten. Die Personalistische Norm — die Person um ihrer selbst willen zu bejahen — ist bei Alexander bereits angelegt.

Weiterentwicklung des boëthianischen Personbegriffs

Alexander nimmt die Definition des Boëthius (naturae rationalis individua substantia) auf und ergänzt sie um das Moment der Würde. Boëthius hatte gezeigt, dass Person Substanz ist; Alexander zeigt, dass diese Substanz als solche Würde hat. Thomas von Aquin wird beide Linien zusammenführen: Person ist das Vollkommenste in der gesamten Natur — also zugleich das Seiendste und das Würdevollste.

Gegen die Reduktion auf Funktion

Wenn der Personbegriff wesentlich ein Würdebegriff ist, dann kann Personsein nicht an empirische Funktionen gebunden werden. Die Würde haftet nicht an der aktualen Ausübung von Vernunft oder Selbstbewusstsein, sondern am Sein der Person als Substanz. Ein Embryo hat die Würde der Person — nicht weil er etwas tut, sondern weil er Jemand ist.

Stellung im Buch

Alexander wird im Kapitel Was ist eine Person? herangezogen, wo die verschiedenen historischen Personbestimmungen analysiert werden. Seine Würdebestimmung bildet zusammen mit Boëthius’ Substanzbestimmung und Thomas’ Vollkommenheitsbestimmung das Fundament des substanzontologischen Personbegriffs.

Siehe auch