Einmaligkeit
Die Unwiederholbarkeit und Unersetzlichkeit jeder menschlichen Person. Während Individualität die qualitative Eigenart benennt, betont Einmaligkeit die Tatsache, dass keine Person durch eine andere ersetzt oder vertreten werden kann. Hildebrand: “In der Liebe erfahren wir die Einmaligkeit des geliebten Menschen am tiefsten — er ist nicht austauschbar.” Die Einmaligkeit gründet in der ontologischen Würde und dem irreduziblen Personsein (vgl. Bexten 2017, S. 137–145).
Einmaligkeit und Jemand-Charakter
Der Jemand-Charakter der Person ist unmittelbarer Ausdruck ihrer Einmaligkeit. Ein Jemand ist nicht vertretbar und nicht ersetzbar — im Unterschied zu einem Etwas, das durch ein gleichwertiges Exemplar substituiert werden kann. Spaemann: “Wenn etwas jemand ist, dann heißt das: er ist Person. Wer jemand ist, war es immer.” Die Einmaligkeit ist keine Eigenschaft, die die Person erst erwirbt, sondern gehört zu ihrem Sein von Anfang an — schon als Embryo, schon vor jeder bewussten Erfahrung.
Einmaligkeit als Grund der Personalistischen Norm
Die Einmaligkeit begründet die Personalistische Norm: Weil jede Person unersetzlich ist, darf sie niemals bloß als Mittel gebraucht werden. Die Person ist um ihrer selbst willen zu bejahen — nicht wegen ihrer Leistung, ihrer Nützlichkeit oder ihrer Eigenschaften, sondern weil sie diese Person ist und keine andere sie ersetzen kann. Die Einmaligkeit ist zugleich Widerlegung jedes kollektivistischen oder utilitaristischen Reduktionismus, der Personen als fungible Einheiten behandelt.
Einmaligkeit und ontologische Würde
Die Einmaligkeit gründet in der ontologischen Würde: Weil die Person eine Würde hat, die nicht graduierbar und nicht relativierbar ist, ist sie einmalig im strengen Sinn. Die ontologische Würde begründet ihrerseits die Einmaligkeit, und die Einmaligkeit manifestiert die Würde — beide bedingen sich wechselseitig.
Einmaligkeit und Individualität
Einmaligkeit setzt Individualität voraus: Nur weil jede Person eine unverwechselbare Eigenart hat (Individualität), kann sie im strengen Sinne unersetzlich sein (Einmaligkeit). Umgekehrt setzt die Individualität die Einmaligkeit voraus: Die qualitative Eigenart hat ontologisches Gewicht nur, weil die Person nicht austauschbar ist. Beide Wesenscharakteristika verweisen aufeinander und gehören zur ersten Dimension des Personseins.
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Wesenscharakteristikum
- Verwandte Begriffe: Individualität, Jemand, Würde
Ontologische Beziehungen:
- setzt voraus: Individualität
- begründet: Personalistische Norm
- gründet in: Ontologische Würde
- wird erfasst von: Substanzontologisch-Relationaler Personbegriff
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.2.2, 4.7.3), Kapitel 3: Was ist eine Person?