Adolf Reinach (1883—1917)
Adolf Reinach — Schüler Husserls und Mitbegründer der realistischen Phänomenologie — hat mit seiner Lehre von den notwendigen Sachverhalten und den Wesensgesetzen ein methodisches Fundament gelegt, das für die Personontologie des Buches von zentraler Bedeutung ist.
Schlüsselbeitrag
Reinach zeigt: Es gibt notwendige Sachverhalte — Sachverhalte, die so sind und nicht anders sein können, weil sie im Wesen der Sache selbst gründen. Diese Wesensgesetzlichkeit gilt nicht nur im Bereich der Mathematik, sondern auch im Bereich des Rechts, der Ethik und der Ontologie. Die Philosophie kann solche notwendigen Sachverhalte in der Einsicht erfassen — sie werden nicht konstruiert, sondern eingesehen (vgl. Bexten 2017, S. 47—55).
Zentrale Ideen im Buch
Wesensgesetzlichkeit
Ein Wesensgesetz ist ein Sachverhalt, der mit innerer Notwendigkeit gilt, weil er im Wesen der Sache gründet. Reinach demonstriert dies am Beispiel des Versprechens: Ein Versprechen erzeugt wesensmäßig einen Anspruch und eine Verbindlichkeit — das ist kein Ergebnis sozialer Konvention, sondern eine notwendige Sachverhaltsstruktur. Für die Personontologie bedeutet das: Wenn eingesehen werden kann, dass die Person wesensmäßig Würde hat, dann ist diese Würde keine Konvention, sondern ein notwendiger Sachverhalt.
Einsicht als Methode
Reinachs Methode der Einsicht in Wesensgesetze verbindet die phänomenologische Tradition (Husserl: “Zurück zu den Sachen selbst”) mit dem Anspruch auf Wahrheit. Die Erkenntnis notwendiger Sachverhalte ist nicht willkürlich, nicht kulturrelativ, nicht bloß subjektiv — sie ist wahr, weil sie sich am Sachverhalt selbst ausweist. Diese methodische Grundhaltung bestimmt den Zugang des Buches zur Frage nach der Person.
Gegen den Relativismus
Reinachs Lehre von den notwendigen Sachverhalten ist ein Bollwerk gegen den Relativismus: Wenn es notwendige Sachverhalte gibt, dann gibt es auch notwendige Wahrheiten über die Person. Die Personalistische Norm — die Person ist um ihrer selbst willen zu bejahen — ist dann kein bloßer Wunsch, sondern eine einsehbare Wahrheit.
Stellung im Buch
Reinach wird vor allem im Kapitel Wie lässt sich diese Frage beantworten? herangezogen, wo die phänomenologische Methode als Zugang zur Wahrheit über die Person vorgestellt wird. Seine Lehre von den Wesensgesetzen wird mit der aristotelisch-thomistischen Metaphysik (Aristoteles, Thomas von Aquin) und der Realontologie von Conrad-Martius verbunden.
Siehe auch
- Edmund Husserl
- Hedwig Conrad-Martius
- Edith Stein
- Thomas von Aquin
- Aristoteles
- Josef Seifert
- Max Scheler
- Robert Spaemann
- Peter Wust
- Roman Ingarden
- Wesensgesetz
- Einsicht
- Wahrheit
- Erkenntnis
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Würde
- Personalistische Norm
- Urphänomen
- Metaphysik
- Phänomenologie
- Substanz
- Substanzontologischer Personbegriff
- Vernunft
- Freiheit
- Jemand
- Natur
- Ontologische Wahrheit
- Seinsmodus
- Agere sequitur esse
- Personbegriff
- Erkenntnisgrund
- Begriff
- Intentionalität
- Kapitel 2: Methode
- Kapitel 3: Personbegriff
- Kapitel 1: Einleitung