Bewusstsein ist die irreduzible Grundtatsache des Erlebens und der Intentionalität — das Gerichtetsein des Geistes auf Gegenstände. Es kann nicht auf neuronale Prozesse, funktionale Zustände oder Informationsverarbeitung reduziert werden.
In der Realistischen Phänomenologie (Husserl, Brentano, Seifert) ist Bewusstsein das unmittelbar gegebene Datum des Erlebens, das jeder Reduktion vorausliegt. Brentano hat die Intentionalität als das Wesenmerkmal des Psychischen bestimmt: Jedes Bewusstsein ist Bewusstsein von etwas. Husserl hat diese Einsicht zur Phänomenologie ausgebaut.
Für die Personsein-Ontologie ist Bewusstsein ein Urphänomen — eine nicht weiter ableitbare Grundgegebenheit. Es gehört zur Deutera Energeia (zweite Wirklichkeit) der Person: die aktuale Ausübung des geistigen Vermögens. Die Prote Energeia (erste Wirklichkeit) — das Personsein selbst — liegt tiefer und bleibt auch dann erhalten, wenn das aktuale Bewusstsein aussetzt (im Schlaf, in der Demenz, bei irreversiblem Hirnfunktionsausfall).
Die KI-Bewusstseins-Debatte dreht sich um die Frage, ob KI-Systeme Bewusstsein haben können. Das Chinese-Room-Argument und der Philosophische Zombie zeigen: Verhalten impliziert nicht Bewusstsein. Statistische Ethiksimulation ist Simulation ohne Erleben.
Ontologische Einordnung
Oberbegriffe: Urphänomen
Ontologische Beziehungen:
- altLabel: “conscientia”
- gehört zu: Deutera Energeia der Person
- setzt voraus: Prote Energeia (Personsein)
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?
Siehe auch
- Intentionalität
- Selbstbewusstsein
- Innerlichkeit
- Urphänomen
- KI-Bewusstseins-Debatte
- Philosophischer Zombie
- Chinese-Room-Argument
- Erkenntnis
- Seele
- Edmund Husserl
- Franz Brentano
- Josef Seifert
- Max Scheler
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 195 ff. (Personsein und geistiges Vermögen).
Weitere Quellen:
- Brentano, Franz (1874): Psychologie vom empirischen Standpunkt. Leipzig: Duncker & Humblot.
- Husserl, Edmund (1900/1901): Logische Untersuchungen. Halle: Niemeyer.
- Seifert, Josef (1987): Back to ‘Things in Themselves’. A Phenomenological Foundation for Classical Realism. London/New York: Routledge & Kegan Paul.