Alles, was ist; das, was am Sein teilhat. Das Seiende (ens) ist der allgemeinste Begriff der Ontologie: Alles, was in irgendeiner Weise ist, ist ein Seiendes — Substanzen und Akzidenzien, Reales und Ideales, Mögliches und Wirkliches.

Das Seiende setzt das Sein voraus: Ohne Sein gibt es kein Seiendes. Diese Unterscheidung zwischen Seiendem (ens) und Sein (esse) ist für die thomistische Ontologie grundlegend. Die Person ist das vollkommenste Seiende in der gesamten Natur (perfectissimum in tota natura, Thomas von Aquin). Die Personalontologie ordnet alle Seienden in eine Hierarchie: Anorganisches, Pflanzliches, Tierisches, Personales (vgl. Bexten 2017, S. 130–140).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

  • setzt voraus: Sein

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein, Kapitel 2: Methode

Ding

Ein Ding — im philosophischen Sinne ein Etwas — ist das ontologische Gegenstück zum Jemand. Während die Person sich selbst besitzt, über sich verfügt und nie restlos von außen bestimmt werden kann, ist das Ding wesentlich verfügbar. Es hat keinen inneren Selbststand, keine Innerlichkeit, keine Freiheit. Es kann benutzt, verbraucht und ersetzt werden, ohne dass ihm Unrecht geschähe.

Die Unterscheidung zwischen Person und Ding ist eine der fundamentalsten Unterscheidungen der Philosophie überhaupt. Robert Spaemann hat sie als den Unterschied zwischen Jemand und Etwas formuliert. Thomas von Aquin sprach von der Person als dem Vollkommensten in der gesamten Natur — sie ist nie bloßes Ding.

Die Personalistische Norm verbietet es, einen Jemand wie ein Ding zu behandeln, ihn zu instrumentalisieren oder auf seine Nützlichkeit zu reduzieren. Wo dies dennoch geschieht — in der Personvergessenheit —, wird die Würde der Person missachtet, auch wenn sie nicht zerstört werden kann.

Ereignis

Ein zeitlich begrenzter, abgeschlossener Prozess. Beispiele: Empfängnis, Geburt, Tod, eine einzelne Begegnung. Im Unterschied zu dauerhaften Zuständen (wie dem Personsein) oder Vermögen (wie der Vernunft) hat ein Ereignis einen Anfang und ein Ende in der Zeit.

Ontologische Einordnung: Oberklasse: Seiendes

Farbe

Die irreduzible qualitative Gattung der Farbigkeit. Goethe (Farbenlehre §175): DAS paradigmatische Urphänomen — ‘nichts Sinnliches liegt darüber hinaus’. Husserl (III. Logische Untersuchung): ‘Rot’ kann nicht definiert werden, anders als ‘Dreieck’ oder ‘Kreis’ — Kennzeichen eines geistig Letzten.

Scheler verwendet Farbe als explizite Analogie für Werte als Urphänomene: ‘Werte erreichen uns durch das Fühlen, wie Farben durch das Sehen.’ Als konkretes Moment ist Farbe unselbständig — sie ist abhängig von räumlicher Ausdehnung (Husserl). Doch die qualitative Gattung Farbigkeit als solche ist irreduzibel und undefinierbar: Sie ist nur in der Wesenserschauung zugänglich, nicht durch Abstraktion oder Definition zerlegbar.

Ontologische Beziehungen:

Gebrauchsgegenstand

Ein von Personen hergestellter oder genutzter Gegenstand, der einem bestimmten praktischen Zweck dient. Gebrauchsgegenstände sind ontologisch Akzidenzien des menschlichen Handelns — sie haben keinen Eigenwert, sondern erhalten ihre sittliche Relevanz durch den Gebrauch, den Personen von ihnen machen.

Der Gebrauchsgegenstand steht in der Ontologie als disjunkte Klasse zur Person: Eine Person ist niemals ein Gebrauchsgegenstand, ein Gebrauchsgegenstand ist niemals eine Person. Diese ontologische Disjunktion ist der formale Ausdruck der Personalistischen Norm: Die Person darf niemals nur als Mittel behandelt werden. Wer die Person wie einen Gebrauchsgegenstand behandelt, begeht eine Form der Personvergessenheit (vgl. Bexten 2017, S. 220–225).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 5: Personvergessenheit

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 174–179 (Existenzformen des Seienden).

Weitere Quellen:

  • Thomas von Aquin, Summa Theologiae I, q. 5, a. 1 (ens und die Transzendentalien)
  • Aristoteles, Metaphysik IV, 1–2 (das Seiende als Seiende — Gegenstand der Ersten Philosophie)
  • Spaemann, Robert: Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand” (1996). Stuttgart: Klett-Cotta. (Unterscheidung Jemand/Etwas)
  • Husserl, Edmund: Logische Untersuchungen (1900/01). Halle: Niemeyer. (III. Untersuchung: unselbständige Momente und Farbe als Urphänomen)
  • Scheler, Max: Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik (1913/1916). Halle: Niemeyer. (Werte als Urphänomene, Analogie zur Farbe)

Siehe auch: Sein, Substanz, Person, Technologie, Seinsmodus, Existenzform, Absolutes Sein, Mögliches Sein, Soseinseinheit, Metaphysik, Thomas von Aquin, Aristoteles

Siehe auch: Person, Personalistische Norm, Personvergessenheit, Seiendes, Würde, Jemand