Jemand

Der Unterschied zwischen “Jemand” und “Etwas” ist das grundlegende Kennzeichen des Personseins. Ein Stein ist ein Etwas — er hat kein Inneres, keine Tiefe, kein Selbst. Die Person hingegen ist ein Jemand: ein einmaliges, unwiederholbares, eigenständiges Wesen, das in sich selbst steht, einen eigenen Grund hat und nicht austauschbar ist. Jeder Mensch hat ein Gesicht, einen Namen, eine Geschichte. Er ist nicht vertretbar und nicht ersetzbar.

Robert Spaemann formuliert: “Wenn etwas jemand ist, dann heißt das: er ist Person. Wer jemand ist, war es immer.” Der Jemand-Charakter des Menschen zeigt sich darin, dass der Mensch nicht nur ist, sondern dass er selbst es ist, der da ist. Schon als winziger Embryo — noch bevor er die Augen öffnet, denkt oder fühlt — ist der Mensch ein Jemand, nicht ein Etwas. Dieses In-sich-selbst-Stehen gehört zur ersten Dimension des Personseins und geht allem Bewusstsein und Personverhalten voraus (vgl. Bexten 2017, S. 137—145).

Max Scheler hat das Wort “Person” als einen “absoluten Namen” verstanden, der das Für-sich-Stehen eines Wesens ausdrückt, im Gegensatz zu relativen Bezeichnungen wie “Ich” und “Du”. Der Jemand-Charakter begründet die unverlierbare Würde der Person: Weil jede Person ein Jemand ist, gebührt ihr Achtung um ihrer selbst willen — so formuliert es die Personalistische Norm. Das Vergessen dieses Jemand-Charakters ist der Kern der Personvergessenheit: Man sieht den Menschen, aber man sieht nicht mehr, wer er ist.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.2.2, 4.7.3), Kapitel 3, Kapitel 1

Ontologische Zuordnung: Jemand ist (gemäss Ontologie) Wesenscharakteristikum der Person und drückt den fundamentalen Unterschied zwischen Person und Ding aus. Der Jemand-Charakter gehört zur ersten Dimension und ist unverlierbar.

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