Qualia sind die qualitativen Erlebnisgehalte unseres Bewusstseins — das, wie es sich anfühlt, etwas zu erleben. Die Röte des Rot, der Schmerz eines Zahnwehs, die Süße eines Tons — all das sind Qualia. Sie sind unmittelbar gegeben, jedem Erlebenden vertraut und doch für jede quantitative, naturwissenschaftliche Beschreibung prinzipiell ungreifbar. Man kann die Wellenlänge des roten Lichts messen, aber die erlebte Röte selbst ist keine Wellenlänge.

Zwei Gedankenexperimente haben die philosophische Bedeutung der Qualia besonders eindrücklich vor Augen geführt. Frank Jacksons Marys Zimmer: Eine Wissenschaftlerin kennt alle physikalischen Fakten über das Farbensehen, hat aber selbst nie Farben gesehen. Wenn sie zum ersten Mal Rot sieht — lernt sie dann etwas Neues? Wenn ja, dann gibt es Wirklichkeit, die in keiner physikalischen Beschreibung enthalten ist. Und Leibniz’ Mühlenargument: Selbst wenn man das Gehirn so vergrößern könnte, dass man darin herumgehen kann wie in einer Mühle, fände man darin nur Teile, die einander stoßen — nirgends aber eine Wahrnehmung, ein Erlebnis, ein Quale. Die Innerlichkeit des Erlebens lässt sich nicht aus äußeren Mechanismen zusammensetzen.

Qualia gehören zu den Urphänomenen — zu jenen grundlegenden Gegebenheiten, die nicht weiter auf anderes zurückgeführt werden können, sondern die man anerkennen muss, wenn man dem Wirklichen gerecht werden will. Für die Frage nach dem Personsein sind sie von zentraler Bedeutung: Sie zeigen, dass die Person eine Innerlichkeit besitzt, die sich keiner Außenperspektive erschließt. Bewusstsein ist nicht bloß Informationsverarbeitung, sondern Erleben — und Erleben setzt ein erlebendes Jemand voraus.

Quellenangaben:

  • Nagel, Thomas (1974): „What Is It Like to Be a Bat?” The Philosophical Review 83(4), S. 435—450.
  • Jackson, Frank (1982): „Epiphenomenal Qualia”. The Philosophical Quarterly 32(127), S. 127—136.
  • Chalmers, David J. (1996): The Conscious Mind. In Search of a Fundamental Theory. Oxford: Oxford University Press.
  • Leibniz, Gottfried Wilhelm (1714): Monadologie, §17 (Mühlenargument).

Siehe auch