Phänomenologie

Die Phänomenologie ist die von Edmund Husserl begründete philosophische Methode, die fordert, zu den “Sachen selbst” zurückzukehren. In der Dissertation dient sie als methodischer Zugang, um das Wesen des Personseins nicht aus vorgefassten Theorien abzuleiten, sondern aus dem, was sich in der Erfahrung unmittelbar zeigt (Bexten 2017, S. 30 ff.). Die phänomenologische Wesensschau ermöglicht Erkenntnis von Wesensgesetzen, die notwendig und allgemein gelten — sie öffnet so den Weg zur Metaphysik, ohne in bloßen Empirismus zu verfallen.

Aus dem Buch

“Zurück zu den Sachen selbst! Dieser Grundsatz bedeutet: Lass dich nicht von Theorien, Systemen oder herrschenden Meinungen leiten. Geh an die Sache selbst heran.”

Zurück zu den Sachen selbst, Kapitel 2

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Phänomenologische Methode

Ontologische Beziehungen:

Existentialistische Phänomenologie

Die existentialistische Phänomenologie ist jene Strömung innerhalb der Phänomenologie, die vor allem mit Martin Heidegger verbunden ist. Ihr Fokus liegt auf der Daseinsanalyse: der Frage nach dem Sein des Menschen als „In-der-Welt-sein”, nach Zeitlichkeit, Geworfenheit und Sorge. Im Unterschied zur realistischen Phänomenologie steht nicht die Wesenserschauung objektiver Wesensgesetze im Mittelpunkt, sondern die Analyse der Existenzstrukturen des Daseins.

Abgrenzung zur realistischen Phänomenologie

Aus der Perspektive der Dissertation (vgl. Bexten 2017, Kap. 2) ist die existentialistische Phänomenologie problematisch, weil sie den Blick von der Erkenntnis objektiver Wahrheiten ablenkt und auf die subjektive Existenzerfahrung verengt. Die realistische Phänomenologie hält dagegen fest: Die Wirklichkeit — einschließlich des Personseins — ist objektiv erkennbar und nicht bloß eine Struktur des Daseins. Der Widerspruch (widerspricht-Relation in der Ontologie) zwischen beiden Richtungen betrifft die Frage, ob die Phänomenologie zu genuiner Einsicht in bewusstseinsunabhängige Sachverhalte führt oder ob sie im Horizont des Daseins verbleibt.

Heideggers Ansatz

Heidegger radikalisiert die phänomenologische Frage: Statt nach dem Wesen der Dinge zu fragen (was sie notwendig sind), fragt er nach dem Sein des Seienden als solchem. Die Person wird bei Heidegger nicht als Substanz oder geistige Substanz gedacht, sondern als Dasein — ein Seiendes, das sich zu seinem eigenen Sein verhält. Die Dissertation kritisiert diesen Ansatz, weil er die ontologische Würde der Person nicht zu begründen vermag: Wenn das Personsein auf Existenzstrukturen reduziert wird, fehlt der Grund für die Unverlierbarkeit der ontologischen Würde (vgl. Bexten 2017, S. 38–42).

Die drei phänomenologischen Richtungen

Die Ontologie unterscheidet drei Hauptrichtungen der Phänomenologie, die alle als Unterklassen der Phänomenologischen Methode eingeordnet werden:

  1. Realistische Phänomenologie — Festhalten an objektiver Wesensschau und bewusstseinsunabhängiger Wirklichkeit (Reinach, Scheler, Hildebrand, Seifert)
  2. Transzendental-idealistische PhänomenologieHusserls spätere Phase: Welt als Produkt konstitutiver Bewusstseinsleistungen
  3. Existentialistische Phänomenologie — Heideggers Daseinsanalyse: Fokus auf Existenzstrukturen statt Wesensgesetze

Nur die realistische Phänomenologie wird von der Dissertation als methodisch tragfähig für die Frage nach dem Personsein anerkannt.

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Wie denkt man über solche Fragen nach?

Realistische Phänomenologie

Die Realistische Phänomenologie ist jene Strömung innerhalb der Phänomenologie, die an der Objektivität der Wesensschau und der Erkennbarkeit einer bewusstseinsunabhängigen Wirklichkeit festhält. Im Gegensatz zur transzendental-idealistischen Wende Husserls nach den Ideen (1913) beharren die realistischen Phänomenologen darauf, dass die phänomenologische Methode zu genuiner Erkenntnis realer Wesensgesetze und Sachverhalte führt — nicht bloß zu Strukturen des Bewusstseins.

Für die Dissertation ist die Realistische Phänomenologie von zentraler methodischer Bedeutung: Sie ermöglicht es, das Personsein als objektive ontologische Gegebenheit zu erfassen, die sich der Erfahrung zeigt und nicht erst durch Theorien konstruiert wird (vgl. Bexten 2017, S. 30 ff.). Die Methode des „genauen Hinschauens” — das vorurteilsfreie Aufnehmen dessen, was sich zeigt — bildet das erkenntnistheoretische Fundament der gesamten Personontologie.

Zentrale Vertreter der Realistischen Phänomenologie, die im Buch eine Rolle spielen:

Transzendental-idealistische Phänomenologie

Die transzendental-idealistische Phänomenologie bezeichnet Husserls spätere philosophische Entwicklung ab den Ideen zu einer reinen Phänomenologie (1913). In dieser Phase versteht Husserl die Welt nicht mehr als an sich bestehende Wirklichkeit, sondern als Produkt konstitutiver Bewusstseinsleistungen: Das Bewusstsein konstituiert die Gegenstände, statt sie vorzufinden. Die transzendentale Reduktion (epoché) klammert die natürliche Weltthesis ein und führt zum “reinen Bewusstsein” als absolutem Sein (vgl. Bexten 2017, S. 30-39).

Aus Sicht der realistischen Phänomenologie verrät dieser Schritt das ursprüngliche Programm des “Rückgangs auf die Sachen selbst”. Reinach, Hildebrand und Seifert kritisieren die transzendentale Wende als illegitime Vereinnahmung der Wirklichkeit durch das Subjekt: Sachverhalte, Werte und Wesenheiten bestehen an sich — sie werden entdeckt, nicht erzeugt. Die Dissertation stellt sich entschieden auf die Seite der realistischen Phänomenologie und lehnt den transzendentalen Idealismus als methodische Grundlage der Personontologie ab (vgl. Bexten 2017, S. 32-38).

Ontologische Beziehungen:

Siehe auch: