2.17 Zusammenfassung

Fassen wir zusammen, was bisher erarbeitet wurde:

  • Philosophie ist nicht Meinungssache. Es gibt wahre und falsche Aussagen über die Wirklichkeit — auch über das Wesen des Menschen. Aristoteles nannte die Philosophie die Wissenschaft der Wahrheit.

  • Der Unterschied zwischen Meinung und Erkenntnis liegt in der Einsicht: dem geistigen Erfassen eines Sachverhalts, der wirklich so ist und nicht anders sein kann. Wer die Möglichkeit von Wahrheit leugnet, widerspricht sich selbst.

  • Die philosophische Methode besteht im genauen Hinschauen: den Geist auf die Sache selbst richten, ohne Vorurteile, ohne vorschnelle Theorien. „Zurück zu den Sachen selbst!“

  • Es gibt verschiedene Arten von Erfahrung: die Sinneserfahrung, die uns einzelne Tatsachen zeigt, und die geistige Erfahrung, die uns das Wesen der Dinge erschließt. Beide sind echte Erfahrungen.

  • Die Dinge haben ein Sosein — ein „Was-Sein“, das sie zu dem macht, was sie sind. Manche Wesenseigenschaften sind notwendig: Sie können nicht anders sein. Auf ihnen beruhen die Wesensgesetze.

  • Notwendige Wahrheiten haben ihren Grund nicht in unserem Denken, sondern in den Dingen selbst. Der Psychologismus — die Verwechslung von Denkgesetzen und Sachgesetzen — ist widerlegt.

  • Die Wirklichkeit besteht unabhängig von unserem Bewusstsein. Der Idealismus, der die Welt zum Produkt des Bewusstseins macht, scheitert an der Unterscheidung von Traum und Wirklichkeit.

  • Die Philosophie unterscheidet sich von den Naturwissenschaften durch ihren Gegenstand: Sie fragt nach dem Wesen der Dinge, nach dem, was notwendig so ist — nicht nach empirischen Regelmäßigkeiten.

  • Es gibt geistig Letztes — Urphänomene —, das sich nicht aus Grundlegenderem ableiten lässt, sondern nur erkannt oder geleugnet werden kann.

  • Um philosophisch zu erkennen, muss man bereit sein, Vorurteile beiseitezulegen: Pauschalargumente, stillschweigende Vorentscheidungen und Reduktionismen.

  • Diese Methode ist für die Frage nach dem Wesen des Menschen entscheidend: Sie erlaubt es, die notwendigen Wesenseigenschaften der menschlichen Person zu erkennen — nicht als Meinung, sondern als Einsicht.

Mit diesen methodischen Überlegungen im Hintergrund können wir uns nun der Frage zuwenden, die das eigentliche Thema dieses Buches ist: Was ist eine Person? Und was ist menschliches Personsein?


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