Der Aktpersonalismus ist eine Auffassung vom Wesen der Person, die vor allem auf Max Scheler zurückgeht. Sein Kerngedanke lautet: Die Person ist kein Ding hinter ihren Akten, sondern die konkrete, lebendige Einheit aller geistigen Akte selbst. Erkennen, Lieben, Wollen, Fühlen — in diesem Vollzugszusammenhang ist die Person wirklich. Sie steht nicht hinter ihren Akten wie ein verborgener Träger, sondern sie lebt in ihnen und durch sie. Für Scheler ist die Person daher weder ein leeres logisches Subjekt noch eine Substanz im klassischen Sinne, sondern die jeweils einmalige Ordnung, in der sich geistige Akte verwirklichen.

Diese Position hat eine erhebliche Stärke: Sie nimmt ernst, dass wir Personen nie abstrakt, sondern immer im Vollzug begegnen — im Gespräch, in der Liebe, im sittlichen Handeln. Die Person zeigt sich nicht als statisches Etwas, sondern als lebendig Handelnde. Doch genau hier liegt auch die Schwierigkeit. Wenn die Person nichts anderes ist als der Zusammenhang ihrer Akte, wie lässt sich dann ihre Identität über die Zeit hinweg begründen? Was bleibt von der Person im Schlaf, in der Bewusstlosigkeit, in der Demenz? Der Aktpersonalismus gerät in Spannung zu der Einsicht, dass die Person auch dann dieselbe bleibt, wenn sie gerade keine geistigen Akte vollzieht.

Aus diesem Grund steht der Aktpersonalismus in einem grundsätzlichen Gegensatz zum Substanzpersonalismus, der die Identität der Person gerade in ihrem substantiellen Sein verankert. Denker wie Edith Stein, Josef Seifert und Robert Spaemann haben gezeigt, dass der personale Aktvollzug ein tragendes Sein voraussetzt — dass also Schelers Einsicht in die Aktualität der Person wahr ist, aber ergänzt werden muss durch die Einsicht in ihre Substanzialität.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 139—155 (Schelers Personbegriff).

Weitere Quellen:

  • Scheler, Max (1913/16): Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik. Halle: Niemeyer. — Krit. Ausg.: Gesammelte Werke, Bd. 2. Bern: Francke, 1954.
  • Wojtyła, Karol (1969): Osoba i czyn. Kraków. — Dt.: Person und Tat. Übers. H. Springer. Freiburg: Herder, 1981.

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