Die Forderung, dass jede Person Zugang zu den Ressourcen hat, die sie zur Aktualisierung ihrer Grundwirklichkeitsform in allen drei Dimensionen benötigt (vgl. Bexten 2017, S. 312 ff.). Die Verteilungsgerechtigkeit (iustitia distributiva) ist kein bloßes ökonomisches Prinzip, sondern eine unmittelbare Konsequenz der Personalistischen Norm. Weil jede Person eine unbedingte Würde besitzt, hat sie ein Recht auf die materiellen und immateriellen Voraussetzungen ihres personalen Lebens.
Thomas von Aquin unterscheidet die Verteilungsgerechtigkeit von der Tauschgerechtigkeit (iustitia commutativa): Während letztere die Gleichheit in Austauschbeziehungen zwischen Einzelnen regelt, bezieht sich die Verteilungsgerechtigkeit auf das Verhältnis der Gemeinschaft zu ihren Gliedern. Das Gemeinwohl fordert, dass die Güter der Gemeinschaft so verteilt werden, dass jede Person die Bedingungen für ein menschenwürdiges Leben vorfindet.
In der personalontologischen Perspektive geht die Verteilungsgerechtigkeit über rein materielle Verteilung hinaus. Die Person benötigt nicht nur Nahrung und Obdach, sondern auch Zugang zu Bildung, Kultur und Gemeinschaft. Nur so kann sie sich in der ersten (Substanzsein), zweiten (aktualer Vollzug) und dritten Dimension (sittliche Vervollkommnung) ihres Personseins entfalten. Die intergenerationale Gerechtigkeit erweitert dieses Prinzip auf die Beziehung zwischen den Generationen. Auch zukünftige Personen haben ein Recht auf die Bedingungen personalen Lebens.
Der gerechte Lohn ist eine konkrete Ausprägung der Verteilungsgerechtigkeit: Er muss der Würde der arbeitenden Person entsprechen und ihr und ihrer Familie ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.
Bildungsressource
Eine Bildungsressource ist eine notwendige Bedingung für die Aktualisierung der Zweiten Dimension des Personseins — der Dimension rationaler Bewusstheit und freien Willens. Als immaterielle Ressource gehört sie zu jenen Gütern, auf die jede Person aufgrund ihrer Würde Anspruch hat. Das Gleichheitsprinzip und das Bedürfnisprinzip fordern, dass Bildungsressourcen gerecht verteilt werden, damit alle Personen ihre Rationalität und Erkenntnisfähigkeit entfalten können.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Immaterielle Ressource
Immaterielle Ressource
Eine immaterielle Ressource ist ein nicht-körperliches Gut wie Bildung, Information oder soziale Teilhabe, das für die Aktualisierung der Dimensionen des Personseins relevant ist. Als Unterklasse der Ressource steht sie in Ergänzung zur Materialen Ressource. Bildungsressourcen sind eine besondere Form der immateriellen Ressource und notwendige Bedingung für die Aktualisierung der Zweiten Dimension (rationale Bewusstheit, freier Wille). Der Zugang zu immateriellen Ressourcen ist eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit, denn ohne ihn kann die Person ihre geistigen Potenzen nicht entfalten.
Ontologische Einordnung:
- Unterklasse von: Ressource
- hat Unterklasse: Bildungsressource
Lebensnotwendige Ressource
Lebensnotwendige Ressourcen sind Nahrung, Wasser, Obdach und medizinische Versorgung — sie bilden die notwendige Bedingung für die Erste Dimension des Personseins (biologische Existenz). Ohne den Zugang zu diesen Gütern kann die Person ihre leibliche Existenz nicht aufrechterhalten, und damit entfällt die Grundlage aller weiteren Dimensionen. Die Verteilungsstruktur einer Gesellschaft muss daher sicherstellen, dass jede Person Zugang zu diesen Ressourcen hat. Ein Entzug lebensnotwendiger Ressourcen ist eine fundamentale Verletzung der Würde der Person.
Ontologische Einordnung:
- Unterklasse von: Ressource
Materiale Ressource
Eine materiale Ressource ist ein materielles Gut wie Nahrung, Wasser oder Obdach. Als Unterklasse der Ressource bezieht sie sich auf die körperlich-leibliche Dimension des Personseins. Materiale Ressourcen sind Voraussetzung für die Aktualisierung der Ersten Dimension (biologische Existenz) und damit Grundbedingung aller weiteren Dimensionen. Die natürlichen Lebensgrundlagen (Luft, Wasser, Boden, Klima) sind als Unterklasse der materialen Ressource modelliert, was die ökologische Verantwortung der Person begründet.
Ontologische Einordnung:
- Unterklasse von: Ressource
- hat Unterklasse: Natürliche Lebensgrundlage
Ressource
Eine Ressource ist ein materielles oder immaterielles Gut, das für die Aktualisierung der Dimensionen des Personseins relevant ist. Die Ontologie unterscheidet Materiale Ressourcen (Nahrung, Wasser, Obdach), Immaterielle Ressourcen (Bildung, Information, soziale Teilhabe) und Lebensnotwendige Ressourcen (notwendige Bedingung für die biologische Existenz). In der Person gründet ein in der Würde gegründeter Anspruch auf Zugang zu den Ressourcen, die für die Aktualisierung ihrer Dimensionen notwendig sind. Die Verteilungsstruktur einer Gesellschaft bestimmt, wie Ressourcen unter Personen verteilt werden.
Ontologische Einordnung:
- Unterklasse von: Seiendes
- hat Unterklassen: Materiale Ressource, Immaterielle Ressource, Lebensnotwendige Ressource
Verteilungsstruktur
Eine Verteilungsstruktur ist eine institutionelle Ordnung, die bestimmt, wie Ressourcen unter Personen verteilt werden. Sie richtet sich nach einem Gerechtigkeitsprinzip und kann den Zugang einer Person zur Aktualisierung einer Dimension des Personseins ermöglichen oder blockieren. Eine ungerechte Verteilungsstruktur, die den Zugang zu lebensnotwendigen oder immateriellen Ressourcen versperrt, ist eine Form struktureller Personvergessenheit. Die Würde der Person verlangt, dass Verteilungsstrukturen die Aktualisierung aller Dimensionen für jede Person ermöglichen.
Ontologische Einordnung:
- Unterklasse von: Institution
- Relationen: verteiltNach (Gerechtigkeitsprinzip), blockiertZugangZu (Dimension)
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 312–318 (Verteilungsgerechtigkeit und Gemeinwohl).
Weitere Quellen:
- Thomas von Aquin: Summa Theologiae, II-II, q. 61, a. 1–2 (Iustitia distributiva: Verteilung nach Verhältnismäßigkeit)
- Aristoteles: Nikomachische Ethik, V, 3–5 (Verteilende und ausgleichende Gerechtigkeit)
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Personalistische Norm
- Unterbegriffe: Gerechter Lohn, Intergenerationale Gerechtigkeit
Kapitelzuordnung: Kapitel 5: Personvergessenheit