Metaphysik

Metaphysik ist die Wissenschaft vom Seienden als Seiendem — die Frage nach dem, was ist, insofern es ist. Spaemann formuliert die zentrale These: “Es gibt keine Ethik ohne Metaphysik” (vgl. Bexten 2017, S. 27 ff.). Ohne Einsicht in das Sein der Person kann ihre Würde nicht begründet werden. Aristoteles begründet die Metaphysik als “Erste Philosophie”; Thomas von Aquin vertieft sie als Seinswissenschaft. Die Frage “Was ist menschliches Personsein?” ist eine genuin metaphysische Frage: Sie fragt nicht nach empirischen Eigenschaften, sondern nach dem Sein der menschlichen Person.

Ohne metaphysische Grundlegung wird die Ethik haltlos: Ohne den substanzontologischen Personbegriff kann nicht begründet werden, warum jeder Mensch Person ist; ohne Wesensgesetze gibt es keine unverlierbaren Rechte; ohne konstitutive Natur wird die Würde zum Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibung. Heidegger diagnostiziert eine “Seinsvergessenheit” der modernen Philosophie; die Dissertation überträgt dies auf die Personvergessenheit: Die Moderne vergisst nicht nur das Sein, sondern auch das Personsein des Menschen. Husserl will “zu den Sachen selbst” zurückkehren; Conrad-Martius verbindet Phänomenologie mit Realontologie und zeigt, dass die Urphänomene auf wirkliches Sein verweisen. Der empirisch-funktionalistische Personbegriff lehnt Metaphysik ab, doch die Dissertation zeigt, dass dies selbst eine metaphysische Position ist — eine implizite Ontologie, die das Sein auf das Messbare reduziert. Descartes’ Zweiteilung von res cogitans und res extensa bildet eine Wurzel der modernen Personvergessenheit, weil sie die Leib-Seele-Einheit der Person unverständlich macht.

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Methode, Kapitel 3: Was ist eine Person?

Siehe auch: Wahrheit, Einsicht, Erkenntnis, Person, Personsein, Würde, Substanz, Akt und Potenz, Form und Stoff, Wesensgesetz, Urphänomen, Personvergessenheit, Begriff, Menschliche Person, Natur, Agere sequitur esse, Personalistische Norm, Personbegriff, Substanzontologischer Personbegriff, Empirisch-funktionalistischer Personbegriff, Jemand, Seele, Leib, Leib-Seele-Einheit, Freiheit, Liebe, Vernunft, Innerlichkeit, Selbstbewusstsein, Embryo, Basale Relationen, Robert Spaemann, Aristoteles, Thomas von Aquin, Edmund Husserl, Rene Descartes, Martin Heidegger, Hedwig Conrad-Martius, Josef Seifert, Adolf Reinach, Blaise Pascal, Kapitel 2: Methode, Kapitel 3: Personbegriff