Palliative Pflege ist die Pflege, die auf die Linderung von Leid und die Begleitung im Sterben zielt, wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Sie bejaht das Personsein bis zum letzten Augenblick und wahrt die Würde des Sterbenden.
Im Unterschied zur Euthanasie verfügt palliative Pflege nicht über das Leben der Person, sondern begleitet den natürlichen Sterbeprozess. Sie ist Ausdruck der Personalistischen Norm: Der sterbende Mensch ist um seiner selbst willen zu bejahen und zu pflegen, nicht als “aussichtslosen Fall” aufzugeben.
Als Form der medizinischen Pflege ist palliative Pflege eine interpersonale Relation zwischen Pflegendem und Patient. Sie verwirklicht sich als echte Begegnung zwischen Personen, in der die Einmaligkeit und Würde des Sterbenden anerkannt wird. Karol Wojtyła sieht in der Pflege des Sterbenden eine besondere Form der Liebe, die das Personsein des Anderen bis zuletzt bejaht.
Die palliative Pflege steht im Gegensatz sowohl zur Euthanasie als auch zum assistierten Suizid: Während diese das Leben der Person als “nicht mehr lebenswert” beurteilen, erkennt die palliative Pflege den Wert des Lebens bis zum natürlichen Ende an.
Ontologische Einordnung
Oberbegriffe: Medizinische Pflege, Interpersonale Relation
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?
Siehe auch
- Irreversibler Hirnfunktionsausfall
- Maschinelle Lebenserhaltung
- Euthanasie
- Tod
- Leid
- Personsein
- Würde
- Total Pain — Saunders’ vier Dimensionen des Sterbeleidens
- Hospiz — institutionelle Verkörperung der ganzheitlichen Sterbebegleitung
- Sterbephasen — klinische Phasen des Sterbeprozesses
- Cicely Saunders — Begründerin der modernen Hospizbewegung
- Karol Wojtyła
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 293 ff. (Personvergessenheit und ihre praktischen Konsequenzen).