Actus humanus
Der actus humanus ist die bewusste, freie Handlung der menschlichen Person, die aus Vernunft und Freiheit hervorgeht. Er steht im Unterschied zum actus hominis — einer Handlung, die zwar vom Menschen ausgeht, aber nicht bewusst und frei vollzogen wird (Bexten 2017, S. 259 ff.).
Actus humanus vs. actus hominis
- Actus humanus: Bewusste, freie, verantwortete Handlung (z.B. eine moralische Entscheidung, Verzeihen, Bejahung)
- Actus hominis: Handlung, die am Menschen geschieht, ohne dass er sie bewusst vollzieht (z.B. Verdauung, Reflexe)
Die Unterscheidung geht auf Thomas von Aquin zurück und ist zentral für das Verständnis der zweiten Dimension des Personseins.
Voraussetzungen des actus humanus
Der actus humanus setzt voraus:
- Vernunft — Erkenntnis dessen, was man tut
- Freiheit — die Möglichkeit, anders zu handeln
- Selbstbewusstsein — Wissen um sich selbst als Handelnden
- Intentionalität — Gerichtetsein auf ein Ziel
Actus humanus und Personverhalten
Der actus humanus ist die paradigmatische Form des Personverhaltens. Doch — und dies ist entscheidend — das Personsein hängt nicht davon ab, ob jemand actus humani vollzieht. Gemäss agere sequitur esse ist das Handeln Folge des Seins, nicht umgekehrt. Ein schlafender Mensch, ein Embryo oder ein Mensch mit Demenz ist Person, auch wenn er keinen actus humanus vollzieht.
Actus humanus und sittliche Verantwortung
Nur für actus humani trägt der Mensch Verantwortung. Die Tugend als sittliche Vervollkommnung bezieht sich auf die Qualität dieser Handlungen. Karol Wojtyła analysiert in “Person und Tat” die Struktur des actus humanus phänomenologisch.
Ontologische Zuordnung: PersonalerAkt (actus humanus) ist (gemäss Ontologie) Unterklasse von Personverhalten.
Siehe auch
- Natur
- Substanz
- Person
- Innerlichkeit
- Liebe
- Selbsttranszendenz
- Personsein
- Menschliche Person
- Personverhalten
- Freiheit
- Vernunft
- Selbstbewusstsein
- Intentionalität
- Agere sequitur esse
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Bejahung
- Verzeihen
- Verantwortung
- Tugend
- Würde
- Jemand
- Embryo
- Demenz
- Akt und Potenz
- Erkenntnis
- Einsicht
- Wahrheit
- Personalistische Norm
- Personvergessenheit
- Seele
- Aristoteles
- Max Scheler
- Thomas von Aquin
- Karol Wojtyła
- Robert Spaemann
- Kapitel 4: Personsein