Wesensgesetze sind notwendige Sachverhalte, die im Wesen der Dinge selbst gründen. Sie sind keine bloßen Regelmässigkeiten der Erfahrung, sondern drücken aus, was notwendigerweise zu einer Sache gehört (Bexten 2017, S. 27 ff.).

Wesensgesetz und Wesensnotwendigkeit

Ein Wesensgesetz gilt nicht, weil es empirisch immer wieder bestätigt wird, sondern weil es im Urphänomen einer Sache gründet. Beispiel: Es ist wesensnotwendig, dass eine Person Jemand ist und nicht bloß etwas. Diese Einsicht kann nicht durch Gegenbeispiele widerlegt werden, weil sie im Wesen der Person selbst liegt.

Adolf Reinach und die notwendigen Sachverhalte

Adolf Reinach hat die Lehre von den Wesensgesetzen philosophisch ausgearbeitet. Er zeigt, dass es Sachverhalte gibt, die unabhängig von aller Erfahrung gelten, weil sie in der Natur der Sachen selbst begründet sind. Diese apriorische Erkenntnis ist keine Konstruktion des Geistes, sondern ein Erfassen dessen, was ist.

Wesensgesetz und Metaphysik

Metaphysik als Wissenschaft vom Seienden als Seiendem fragt nach solchen Wesensgesetzen. Josef Seifert knüpft an Reinach an und begründet die Würde der Person wesensgesetzlich: Es gehört zum Wesen der Person, Würde zu haben.

Wesensgesetz und Personbegriff

Der adäquate Personbegriff muss wesensgesetzliche Einsichten berücksichtigen. Der substanzontologische Personbegriff erfasst, was die Person wesensnotwendig ist; der empirisch-funktionalistische Personbegriff verfehlt dies, weil er nur kontingente Eigenschaften in den Blick nimmt.

Phänomenologische Methode

Edmund Husserl entwickelte die phänomenologische Methode, die es ermöglicht, Wesensgesetze zu erfassen. Hedwig Conrad-Martius verbindet sie mit der Realontologie: Die Wesensgesetze gelten nicht nur im Bewusstsein, sondern in der Wirklichkeit selbst.

Notwendige Soseinseinheit

Gründet im Wesen des Seienden; kann keine Ausnahmen haben. So-sein-Müssen-und-nicht-anders-sein-Können. Die Notwendige Soseinseinheit drückt ein Wesensgesetz aus: Was notwendig zum Sosein eines Seienden gehört, kann nicht fehlen, ohne dass das Seiende aufhört, das zu sein, was es ist.

Für die Personalontologie sind notwendige Soseinseinheiten von zentraler Bedeutung: Dass die Person eine geistige Substanz ist, dass sie Würde besitzt, dass sie wahrheitsfähig ist — dies sind notwendige Soseinseinheiten, die keine Ausnahmen zulassen. Sie sind von den Zufälligen Soseinseinheiten (keine Ursache im Wesen) und den Sinnvollen Soseinseinheiten (in der Natur gegründet, aber mit Ausnahmen) zu unterscheiden (vgl. Bexten 2017, S. 42–50).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Methode

Siehe auch: Soseinseinheit, Zufällige Soseinseinheit, Sinnvolle Soseinseinheit, Wesensgesetz, Seiendes, Erkenntnis

Sinnvolle Soseinseinheit

Gründet in der Natur des Seienden; trifft in den meisten Fällen zu, erlaubt aber Ausnahmen. Die Sinnvolle Soseinseinheit nimmt eine Mittelstellung zwischen der Notwendigen Soseinseinheit (keine Ausnahmen möglich) und der Zufälligen Soseinseinheit (keine Ursache im Wesen) ein.

Ein Beispiel für eine sinnvolle Soseinseinheit: Dass der Mensch zwei Hände hat, gründet in seiner Natur — es ist kein Zufall, sondern ergibt sich aus dem Bauplan des menschlichen Leibes. Dennoch kann ein Mensch ohne eine Hand geboren werden, ohne aufzuhören, Mensch zu sein. Für die Personalontologie ist die Unterscheidung wichtig, weil sie zeigt: Nicht alles, was zur Natur gehört, gehört zum Wesen im strengen Sinne (vgl. Bexten 2017, S. 42–50).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Methode

Siehe auch: Soseinseinheit, Notwendige Soseinseinheit, Zufällige Soseinseinheit, Natur, Wesensgesetz, Seiendes

Soseinseinheit

Soseinseinheiten (auch: Wesenheiten, essences) sind das, was ein Ding zu dem macht, was es ist — sein So-Sein, unabhängig davon, ob es existiert oder nicht. Sie sind Gegenstand der phänomenologischen Wesensschau und bilden die Grundlage für Wesensgesetze, die notwendig und allgemein gelten. Die Erkenntnis von Soseinseinheiten geht über bloße empirische Verallgemeinerung hinaus: Sie erfasst, was wesentlich zu einer Sache gehört und was nicht anders sein kann.

Ontologische Einordnung: Unterbegriffe: Notwendige Soseinseinheit, Sinnvolle Soseinseinheit, Zufaellige Soseinseinheit

Zufällige Soseinseinheit

Hat keine Ursache im Wesen des Seienden; gründet in außerhalb des Wesens liegenden Umständen. Die Zufällige Soseinseinheit bezeichnet eine Bestimmung, die einem Seienden zukommt, aber nicht aus seinem Wesen folgt — sie könnte auch fehlen, ohne dass das Seiende aufhört, das zu sein, was es ist.

Beispiele für zufällige Soseinseinheiten bei der menschlichen Person: die Haarfarbe, der Geburtsort, die konkrete Körpergröße. Diese Bestimmungen sind real, aber nicht wesensnotwendig. Sie sind zu unterscheiden von den Notwendigen Soseinseinheiten (die im Wesen gründen und keine Ausnahmen zulassen) und den Sinnvollen Soseinseinheiten (die in der Natur gründen, aber Ausnahmen erlauben) (vgl. Bexten 2017, S. 42–50).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Methode

Siehe auch: Soseinseinheit, Notwendige Soseinseinheit, Sinnvolle Soseinseinheit, Seiendes, Akzidenz

Siehe auch

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 264, 282, 283 (notwendige Wesensgesetze).

Weitere Quellen:

  • Reinach, Adolf (1913): Die apriorischen Grundlagen des bürgerlichen Rechtes. (Lehre von den notwendigen Sachverhalten und Wesensgesetzen)
  • Husserl, Edmund (1900/01): Logische Untersuchungen. Halle: Niemeyer. (Phänomenologische Methode zur Erfassung von Wesensgesetzen)
  • Seifert, Josef (1987): Back to ‘Things in Themselves’. A Phenomenological Foundation for Classical Realism. London/New York: Routledge & Kegan Paul. (Wesensgesetzliche Begründung der Würde)
  • Conrad-Martius, Hedwig (1957): Das Sein. München: Kösel. (Wesensgesetze als Gesetze der Wirklichkeit selbst)