Alma von Stockhausen war eine deutsche Philosophin, Gründerin und langjährige Leiterin der Gustav-Siewerth-Akademie in Weilheim-Bierbronnen. Ihr Beitrag zum Buch liegt in der geistesgeschichtlichen Analyse des dialektischen Denkens als zweitem Strang der Personvergessenheit — neben dem empirisch-funktionalistischen Strang von Locke und Singer.

Leben und Werk

Alma von Stockhausen wurde am 30. September 1927 in Münster geboren und starb am 4. Mai 2020 in Heroldsbach. Sie studierte Philosophie, Theologie und Germanistik, wurde 1954 promoviert und habilitierte sich 1962 an der Universität Freiburg. Als Professorin an der Pädagogischen Hochschule Freiburg lehrte sie thomistische Philosophie.

1988 gründete sie die Gustav-Siewerth-Akademie im Schwarzwald — benannt nach dem Freiburger Philosophen Gustav Siewerth (1903–1963), einem Schüler Heideggers, der den thomistischen Seinsbegriff in Auseinandersetzung mit der Fundamentalontologie weiterentwickelte. Die Akademie wurde ein Zentrum der thomistisch-realistischen Philosophie im deutschsprachigen Raum.

Schlüsselbeitrag: Die Linie Luther–Kant–Hegel–Rahner

Stockhausens Hauptwerk Der Geist im Widerspruch — Von Luther zu Hegel (1990) zeichnet die schrittweise Auflösung des thomistischen Realismus nach:

  1. Luther trennt Vernunft und Glaube: Die Vernunft kann das Sein der Dinge nicht mehr erkennen, der Glaube wird irrational.
  2. Kant schränkt die Vernunft auf Erscheinungen ein: Das Ding an sich — und damit das Sein der Person — ist nicht erkennbar.
  3. Hegel hebt das Identitätsprinzip auf: Der Widerspruch wird zum Motor der Wirklichkeit, die Substanz löst sich in den Prozess auf.
  4. Rahner überträgt die Hegelsche Dialektik in die Theologie: Der Mensch wird zum Hörer des Wortes, dessen Wesen sich erst im geschichtlichen Prozess enthüllt — nicht als bleibende Natur, sondern als offene Möglichkeit.

In jedem Schritt wird die Fähigkeit des Denkens, das Sein der Dinge zu erkennen, weiter eingeschränkt. Stockhausen zeigt: Diese Linie mündet in einen Anti-Essentialismus, der den substanzontologischen Personbegriff untergräbt.

Verteidigung der analogia entis

Gegen die dialektische Auflösung verteidigt Stockhausen die analogia entis — die Seinsanalogie — als Grundstruktur des Wirklichen: Das Sein wird in verschiedenen Graden verwirklicht, aber in jedem Grad wahrhaft erkannt. Die thomistische adaequatio intellectus et rei — die Übereinstimmung von Denken und Sein — bleibt gültig: Das Denken erreicht das Sein, und das Sein ist von sich aus erkennbar.

Diese Position ist für die Personalontologie entscheidend: Wenn das Denken das Sein der Person erreicht, kann es auch die Würde der Person erkennen — nicht als Zuschreibung, sondern als ontologischen Sachverhalt.

Bedeutung für das Buch

Stockhausens Analyse macht sichtbar, dass die Personvergessenheit nicht nur aus dem Empirismus (Hume, Locke, Singer) stammt, sondern auch aus einer dialektischen Tradition, die das Identitätsprinzip selbst angreift. Beide Stränge konvergieren in der Gegenwart: Der funktionalistische Strang leugnet das Personsein dort, wo keine Funktionen sichtbar sind; der dialektische Strang leugnet das Personsein als bleibendes Sein überhaupt.

Die Gustav-Siewerth-Akademie und die von Raphael Bexten herausgegebene Zeitschrift AEMAET stehen in der Fortsetzung dieses philosophischen Programms.

Stellung im Buch

Stockhausens Kritik des dialektischen Denkens bildet den Hintergrund für die Darstellung der theoretischen Personvergessenheit in Kapitel 5. Die Unterscheidung zwischen dem empiristischen und dem dialektischen Strang schärft den Blick für die Vielfalt der Wege, auf denen das Personsein in Vergessenheit geraten kann.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 218–254 (Theoretische Personvergessenheit).

Weitere Quellen:

  • Stockhausen, Alma von (1990): Der Geist im Widerspruch — Von Luther zu Hegel. Weilheim-Bierbronnen: Gustav-Siewerth-Akademie.
  • Stockhausen, Alma von (1954): Die analogia entis bei Thomas von Aquin. Phil. Diss., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Siehe auch