Der Seinsmodus (die Seinsweise) bezeichnet die Art und Weise, wie etwas existiert — nicht nur, dass es existiert. Die Dissertation zeigt, dass das Personsein ein bestimmter Seinsmodus ist: die Existenzform einer individuellen geistigen Substanz (Bexten 2017, S. 134 ff.). Personsein ist demnach kein Merkmal, das zu einem bereits existierenden Wesen hinzutritt, sondern die grundlegende Weise, in der die menschliche Person existiert. Die Unterscheidung verschiedener Seinsmodi ist für die Metaphysik zentral: Ein Stein, eine Pflanze, ein Tier und eine Person existieren jeweils in einem anderen Seinsmodus.

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Sein; Unterbegriffe: Ideales Sein, Mögliches Sein, Reales Sein, Intentionales Sein

Ideales Sein

Das ideale Sein ist der Seinsmodus zeitloser Gegenstände: Zahlen, Wesenheiten, logische Wahrheiten und notwendige Sachverhalte. Es ist disjunkt zum realen Sein und zum möglichen Sein (vgl. Bexten 2017, S. 58 ff.).

Seifert zeigt in Anschluss an Husserl und die realistische Phänomenologie, dass ideale Gegenstände weder erfunden noch konstruiert werden. Der Satz vom Widerspruch gilt, gleichgültig ob jemand ihn denkt. Zahlen existieren nicht in Raum und Zeit, sind aber gleichwohl nicht nichts — sie besitzen eine eigene Seinsweise. Das ideale Sein ist unveränderlich, notwendig und zeitlos. Das reale Sein dagegen ist kontingent und zeitlich verfasst.

Für die Erkenntnistheorie ist diese Unterscheidung grundlegend. Die Person erkennt ideale Gegenstände durch geistige Einsicht, nicht durch sinnliche Wahrnehmung. Die Fähigkeit, ideales Sein zu erfassen, bezeugt die geistige Natur der Person. Sie transzendiert das bloß Materielle und Zeitliche im Akt des Erkennens.

Ontologische Beziehungen:

Mögliches Sein

Seiendes im Sinn der Denkmöglichkeit (potentia objectiva); logische Widerspruchsfreiheit ohne reale Existenz. Das Mögliche Sein ist einer der Seinsmodi, die Roman Ingarden unterschieden hat: Es bezeichnet dasjenige, was denkbar ist, ohne wirklich zu existieren. Es steht im Gegensatz zum Realen Sein und zum Idealen Sein.

Für die Personalontologie ist die Unterscheidung zwischen möglichem und realem Sein zentral: Eine zukünftige Person befindet sich im Modus des möglichen Seins — sie existiert noch nicht real und besitzt daher noch kein reales Personsein und keine reale ontologische Würde. Sobald sie aber empfangen wird, geht sie vom möglichen in das reale Sein über und besitzt sofort und unverlierbar volles Personsein. Es gibt keine potentiellen Personen — nur mögliche zukünftige und real existierende (vgl. Bexten 2017, S. 170–175).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

  • disjunkt mit: Reales Sein, Ideales Sein

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein

Siehe auch: Sein, Seiendes, Seinsmodus, Absolutes Sein, Potenz, Person, Existenzform, Roman Ingarden

Intentionales Sein

Das intentionale Sein ist jener Seinsmodus, in dem Seiendes nur als Korrelat intentionaler Bewusstseinsakte existiert: als seinsheteronomes, seinsabgeleitetes Gebilde. Roman Ingarden hat diesen Modus systematisch analysiert und die Seinslehre der realistischen Phänomenologie über die klassische Dreiteilung real/ideal/möglich hinaus erweitert. Ingardens paradigmatisches Beispiel ist das literarische Kunstwerk (so der Titel seines Hauptwerks von 1931): ein rein intentionaler Gegenstand, der seine Existenz ausschließlich den Bewusstseinsakten seines Autors und seiner Leser verdankt. Weitere Beispiele sind die Figuren literarischer Werke, fiktive Gegenstände, rein vorgestellte Inhalte und die intentionalen Korrelate bloßer Bewusstseinsakte. Sie sind nicht nichts, aber sie existieren weder real (wie Leib und Seele der Person) noch ideal (wie Zahlen und Wesenheiten) noch bloß möglich (wie zukünftige Personen vor ihrer Befruchtung).

Charakteristisch ist die doppelte Abhängigkeit: Das intentional Seiende verdankt sein Sein ausschließlich den Akten eines Bewusstseins, und es ist abgeleitet von dem, was jenes Bewusstsein erfasst oder entwirft. Es existiert, solange und sofern ein Subjekt es meint, denkt oder vorstellt. Darin unterscheidet es sich fundamental vom idealen Sein, dessen Geltung (etwa die eines mathematischen Satzes) zeitlos und bewusstseinsunabhängig ist.

Für die Personalontologie ist die Unterscheidung vom intentionalen Sein entscheidend: Die menschliche Person existiert im Modus des realen Seins, nicht als intentionales Korrelat eines Bewusstseins. Wer die Person auf ein bloß intentionales Konstrukt reduziert — etwa als „Narrativ”, als soziale Zuschreibung oder als Projektion —, verfehlt die ontologische Eigenständigkeit des Personseins. Ebenso darf das Lebensrecht der Person nicht mit bloß intentionalen Sachverhalten verwechselt werden: Es gehört zum idealen Sein (objektiv geltende Norm), während die Person selbst real existiert (vgl. Bexten 2017, S. 56 ff.).

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Siehe auch: Intentionalität, Roman Ingarden, Edmund Husserl

Reales Sein

Das reale Sein ist der Seinsmodus des wirklich Existierenden — desjenigen Seienden, das in Raum und Zeit oder als geistige Wirklichkeit tatsächlich besteht (vgl. Bexten 2017, S. 56 ff.).

Seifert unterscheidet das reale Sein klar vom idealen Sein und vom möglichen Sein. Ideale Gegenstände (Zahlen, Wesenheiten) gelten zeitlos. Mögliche Seiende sind noch nicht verwirklicht. Das reale Sein dagegen zeichnet sich durch aktuale Existenz aus. Ein reales Seiendes ist, es wirkt und wird bewirkt, es steht in kausalen Zusammenhängen.

Personen existieren im Modus des realen Seins. Sie sind wirkliche, individuelle Substanzen, nicht bloße Möglichkeiten oder abstrakte Wesenheiten. Thomas von Aquin bestimmt den actus essendi als den innersten Kern des realen Seins: den Seinsakt, durch den ein Seiendes wirklich ist. Diese Unterscheidung der Seinsmodi ist methodisch grundlegend, weil sie verhindert, verschiedenartig Seiendes miteinander zu verwechseln.

Ontologische Beziehungen:

Siehe auch:

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 169–179 (Seinsmodus und Existenzform).

Weitere Quellen:

  • Thomas von Aquin, Summa Theologiae I, q. 3, a. 4 (actus essendi als innerster Kern des realen Seins)
  • Seifert, Josef (1987): Back to ‘Things in Themselves’. A Phenomenological Foundation for Classical Realism. London/New York: Routledge & Kegan Paul. (Unterscheidung von realem, idealem und möglichem Sein)
  • Husserl, Edmund: Logische Untersuchungen (1900/01). Halle: Niemeyer. (Grundlage der realistischen Phänomenologie idealer Gegenstände)
  • Ingarden, Roman: Das literarische Kunstwerk (1931). Halle: Niemeyer. (Paradigmatische Analyse des intentionalen Seins am literarischen Werk)
  • Ingarden, Roman: Der Streit um die Existenz der Welt (1964/65). Tübingen: Niemeyer. (Systematische Unterscheidung der Seinsmodi)