Die Substanzontologie ist der ontologische Rahmen, in dem das Sein der Person als Substanz verstanden wird — als eigenständig existierendes geistiges Seiendes, das den Grund seines Seins und seiner Identität in sich selbst trägt. Sie steht im Gegensatz zu Ontologien, die das Seiende auf Eigenschaften, Funktionen, Relationen oder Ereignisse reduzieren.
Die substanzontologische Tradition beginnt bei Aristoteles, der die Substanz (οὐσία) als das Erste des Seienden bestimmt: das, was nicht von anderem ausgesagt wird, sondern von dem anderes ausgesagt wird (Metaphysik VII). Thomas von Aquin vertieft diesen Ansatz, indem er die Substanz als ens per se subsistens fasst — ein Seiendes, das durch sich selbst besteht, nicht als Eigenschaft eines anderen. Boëthius’ berühmte Definition der Person — naturae rationalis individua substantia — wendet die Substanzontologie auf die Personbegriffsdebatte an: Die Person ist eine individuelle Substanz rationaler Natur.
In der realistischen Phänomenologie wird die Substanzontologie von Edith Stein, Josef Seifert und Robert Spaemann weitergeführt. Stein verbindet in Endliches und ewiges Sein die thomistische Substanzlehre mit der phänomenologischen Methode. Seifert entfaltet in Sein und Wesen eine eigenständige substanzontologische Position. Spaemann zeigt in Personen, dass die Unterscheidung von jemand und etwas eine substanzontologische Grundlage voraussetzt.
Für die Personbegriffsdebatte ist die Substanzontologie entscheidend, weil sie erklärt, warum die Person auch dann dieselbe bleibt, wenn sie keine geistigen Akte vollzieht — im Schlaf, im Koma, in der Demenz. Der substanzontologische Personbegriff und der substanzontologisch-relationale Personbegriff gründen in diesem Rahmen.
Quellenangaben: Bexten 2017, Kap. 2 (substanzontologischer Personbegriff) und Kap. 4 (Substanz und Personsein).
Weitere Quellen:
- Aristoteles: Metaphysik, Buch VII (Ζ). Übers. H. Bonitz, neu bearb. v. H. Seidl. Hamburg: Meiner (PhB 307/308), 3. Aufl. 1991.
- Thomas von Aquin: Summa theologiae, I, q. 29 (De personis divinis). — Dt.: DThA, Bd. 3. Salzburg: Pustet, 1939.
- Boëthius: Liber de persona et duabus naturis (ca. 512). — Dt.: Die theologischen Traktate. Übers. M. Elsässer. Hamburg: Meiner (PhB 397), 1988.
- Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta.
- Seifert, Josef (1996): Sein und Wesen. Heidelberg: Winter (Philosophie und Realistische Phänomenologie, Bd. 3).