Hinweis: Die ethischen Urteile auf dieser Seite beziehen sich ausschließlich auf die Handlung — niemals auf die Person, die sie ausführt oder durch sie entstanden ist. Jedes durch dieses Verfahren gezeugte Kind ist eine vollständige menschliche Person mit voller Würde von der Befruchtung an. Vgl. Hinweis zu ethischen Urteilen.
Die Drei-Eltern-IVF (englisch: Mitochondrial Replacement Therapy, MRT) ist eine Form der künstlichen Befruchtung, bei der das Zytoplasma einer Spenderin – mit deren Mitochondrien-DNA – in die Eizelle der Wunschmutter übertragen wird. Ziel ist es, die Vererbung mitochondrialer Erbkrankheiten zu verhindern. Verwendet werden zwei Techniken: Pronuclear Transfer (nach der Befruchtung) und Maternal Spindle Transfer (vor der Befruchtung).
Im Vereinigten Königreich 2015 gesetzlich zugelassen, ab 2023 klinisch angewandt. Im Juli 2025 meldete das Newcastle Fertility Centre acht gesunde Lebendgeburten aus 35 zugelassenen Behandlungen (NEJM Juli 2025) – die ersten klinischen Belege für die Sicherheit der Drei-Eltern-IVF.
Ontologische Einordnung
- ist Unterklasse von: Künstliche Befruchtung
- setzt voraus: Befruchtung
- erzeugt: genetische Drei-Eltern-Konstellation (~99,9 % nukleare DNA von Wunscheltern, ~0,1 % mitochondriale DNA von der Spenderin)
Personalontologische Einordnung
Das durch Drei-Eltern-IVF gezeugte Kind ist von der Befruchtung an eine vollständige menschliche Person mit voller ontologischer Würde – sein Personsein steht in keinem ontologischen Sinne unter dem Vorbehalt seiner Zeugungsweise.
Ethische Bewertung
Drei Punkte erscheinen aus personalontologischer Perspektive problematisch:
- Keimbahn-Eingriff. Die mitochondrialen Veränderungen werden vererbt – jeder Eingriff in die Keimbahn betrifft nicht nur die behandelte Person, sondern auch ihre Nachkommen, die nicht einwilligen können.
- Drittparteien-Konstellation. Das Kind hat genetisches Material von drei Personen. Das verwirklicht eine besondere Form der fragmentierten Elternschaft – die Einheit von genetischer Mutterschaft wird zerlegt.
- Pronuclear Transfer. Bei der vorherrschenden Variante wird die erste befruchtete Eizelle nach der Befruchtung zerstört; mit ihr eine bereits existierende menschliche Person (vgl. überzähliger Embryo).
Quellenangaben: Recherchestand 25. April 2026.
Weitere Quellen:
- Hyslop, L. et al. (2025): Mitochondrial Donation and Preimplantation Genetic Testing for mtDNA Disease. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2415539.
- McFarland, R. et al. (2025): Mitochondrial Donation in a Reproductive Care Pathway for mtDNA Disease. New England Journal of Medicine. DOI: 10.1056/NEJMoa2503658.
- Human Fertilisation and Embryology Authority (HFEA) (2025): HFEA comments on the news that eight babies have been born after mitochondrial donation treatment. Pressemitteilung, hfea.gov.uk.
- Greenfield, A. et al. (2017): Assisted reproductive technologies to prevent human mitochondrial disease transmission. Nature Biotechnology 35(11): 1059–1068.
- Nuffield Council on Bioethics (2012): Novel techniques for the prevention of mitochondrial DNA disorders: an ethical review. London.
- Bredenoord, A. L. & Braude, P. (2010): Ethics of mitochondrial gene replacement: from bench to bedside. BMJ 341: c6021.
- Kongregation für die Glaubenslehre (2008): Instruktion Dignitas personae über einige Fragen der Bioethik (8. September 2008). Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 183.