Sprache ist das primäre Medium, in dem sich Personen einander mitteilen und die Wirklichkeit artikulierend erschließen. Sie ist Ausdruck der Rationalität und Voraussetzung der dialogischen Begegnung. In der Sprache verwirklicht sich die Fähigkeit der Person, das Erkannte mitzuteilen und mit dem Anderen in Dialog zu treten.

Sprache ist nicht bloßes Zeichensystem, sondern personaler Akt: Im Sprechen tritt die Person aus ihrer Innerlichkeit heraus und wendet sich dem Du zu. Die Fähigkeit zur Sprache gehört zu den Wesenscharakteristiken der menschlichen Person und bezeugt ihre geistige Natur. Sprache ermöglicht Erkenntnis, Bildung und die Überlieferung von Wissen und Weisheit zwischen Personen.

Begehrlicher Blick

Der begehrliche Blick ist eine spezifische Form der praktischen Personvergessenheit, in der eine Person eine andere auf ein Objekt sinnlicher Begierde reduziert (vgl. Bexten 2017, S. 287 ff.).

Wojtyła analysiert dieses Phänomen als eine Haltung, in der das Personsein des Anderen gleichsam übersprungen wird. Der Blickende sieht nicht die Person, sondern nur den Leib als Gegenstand des Begehrens. Damit wird die Leib-Seele-Einheit des Anderen aufgespalten und der Leib isoliert als Mittel der eigenen Lustbefriedigung betrachtet. Hengstenberg spricht von einer „Sachvergessenheit” gegenüber dem personalen Wesen des Anderen.

Der begehrliche Blick verstößt gegen die personalistische Norm, weil er die Würde der Person missachtet. Er ist nicht bloß eine äußere Handlung, sondern eine innere Haltung. Die Instrumentalisierung findet bereits im Blick selbst statt, noch bevor sie sich in Handlung umsetzt.

Sprachlicher Akt

Ein personaler Akt der sprachlichen Äußerung. Jeder sprachliche Akt hat eine Ausdrucks-, Appell- und Darstellungsdimension und ist als personaler Akt der Wahrheitspflicht unterworfen (vgl. Bexten 2017, S. 199 ff.).

Die Sprache ist keine bloß konventionelle Zeichenverwendung, sondern ein personaler Vollzug. In der Sprache wendet sich die Person an ein Gegenüber und eröffnet damit einen interpersonalen Raum. Karl Bühler unterschied drei Funktionen der Sprache: Ausdruck (Kundgabe des Inneren), Appell (Anrede des Gegenübers) und Darstellung (Bezug auf einen Sachverhalt). Alle drei Dimensionen sind im sprachlichen Akt vereint. Sie verweisen auf die personale Grundstruktur der Sprache: Nur ein Wesen mit Innerlichkeit, Interpersonalität und Wahrheitsfähigkeit kann sprechen.

Der sprachliche Akt ist eng mit dem sozialen Akt verbunden: Viele soziale Akte — etwa das Versprechen, die Bitte, der Befehl — vollziehen sich sprachlich. In der Sprache erzeugt die Person reale Verpflichtungen und Ansprüche, die in der Natur der Sache selbst gründen.

Die Lüge ist die Perversion des sprachlichen Aktes. Sie missbraucht die Darstellungsfunktion der Sprache, indem sie bewusst Unwahres als wahr ausgibt. Die Lüge verletzt nicht nur die Wahrheit, sondern auch die interpersonale Vertrauensstruktur, die jeder Kommunikation zugrunde liegt. Der Meineid ist eine besonders schwere Form der Lüge, weil er den feierlichen Anruf der Wahrheit pervertiert.

Aus personalontologischer Sicht offenbart die Sprache die Vernunft und Selbsttranszendenz der Person: Im Sprechen transzendiert die Person ihre bloße Subjektivität und bezieht sich auf die gemeinsame Wirklichkeit.

Ontologische Einordnung:

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Zuhören

Zuhören ist ein personaler Akt der aufmerksamen Aufnahme der Selbstmitteilung einer anderen Person. Es ist wesentlich mehr als das bloß physiologische Hören: Es verlangt eine innere Zuwendung zum Anderen, die dessen Würde als Person anerkennt (vgl. Bexten 2017, S. 243 ff.).

Echtes Zuhören setzt Einfühlung voraus — die Fähigkeit, den Anderen in seinem Erleben zu erfassen, ohne ihn auf die eigene Perspektive zu reduzieren. Es ist damit eine fundamentale Form der interpersonalen Relation und Ausdruck von Ehrfurcht vor dem Personsein des Gegenübers. Im Dialog bildet das Zuhören die notwendige Ergänzung zum Sprechen: Nur wo eine Person sich vom Anderen wirklich ansprechen lässt, entsteht genuine personale Begegnung. Die Verweigerung des Zuhörens kann daher eine subtile Form der Personvergessenheit sein.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 72, 77, 93, 133, 166, 211 (Sprache und Personbegriff).

Weitere Quellen:

  • Thomas von Aquin, Summa Theologiae I, q. 85, a. 1 (Erkenntnis und sprachliche Artikulation)
  • Aristoteles, Politik I, 2 (der Mensch als zoon logon echon — das sprachbegabte Wesen)
  • Husserl, Edmund: Logische Untersuchungen (1900/01). Halle: Niemeyer. (Bedeutung und Ausdruck)
  • Stein, Edith: Der Aufbau der menschlichen Person (1932/33, ed. 2004). ESGA 14. Herder. (Sprache und personale Mitteilung)
  • Wojtyła, Karol (1969): Osoba i czyn. Kraków (dt.: Person und Tat, Freiburg: Herder, 1981). (Begehrlicher Blick als Personvergessenheit)
  • Hengstenberg, Hans Eduard: Philosophische Anthropologie (1957). Stuttgart: Kohlhammer. (Sachvergessenheit gegenüber dem personalen Wesen)

Siehe auch: Dialog, Person, Vernunft, Innerlichkeit, Erkenntnis, Bildung, Wissen, Selbsttranszendenz