Ein Artefakt oder System, das von Personen geschaffen wurde und die Bedingungen des Personseins verändern kann. Technologie ist ein Seiendes, aber keine Person — sie ist etwas, nicht Jemand.

Technologie und Person

Technologie ist stets Werk der Person: Nur ein Wesen mit Vernunft und Freiheit kann Werkzeuge und Systeme entwerfen, die über das Natürliche hinausgehen. Doch gerade weil Technologie aus personalem Handeln hervorgeht, kann sie die Bedingungen dieses Handelns tiefgreifend verändern — zum Guten wie zum Schlechten.

Die Personalistische Norm verlangt, dass Technologie der Entfaltung des Personseins dient und die Würde der Person nicht antastet. Wo Technologie Personen überwacht, manipuliert oder auf ihre Funktionen reduziert, wird sie zum Werkzeug der Personvergessenheit.

Technologie als sittlich neutrale Wirklichkeit

Technologie ist als solche weder gut noch schlecht. Sie ist ein Ausdruck der schöpferischen Vernunft der Person und gehört wesentlich zur Entfaltung des menschlichen Personseins. Medizinische Technik rettet Leben, Kommunikationstechnologie ermöglicht Gemeinschaft über Entfernungen, Werkzeuge erleichtern die Arbeit — all dies dient dem Gemeinwohl und der Würde der Person.

Nicht die Technologie selbst, sondern ihr Missbrauch durch Personen macht sie zum Problem. Erst wenn Technologie gegen die Personalistische Norm eingesetzt wird — wenn sie Personen überwacht, manipuliert, instrumentalisiert oder auf Funktionen reduziert —, wird sie zum Werkzeug der Personvergessenheit. Die sittliche Bewertung betrifft also stets die Handlung, nicht das technische Mittel als solches.

Technologie als Gefährdung

In der Ontologie ist Technologie als domain der Relation „gefährdet” definiert: Eine Technologie kann Wesenscharakteristika der Person gefährden. Dies betrifft insbesondere:

Auch die Leihmutterschaft kann als Technologie im weiteren Sinne begriffen werden: ein systematisches Verfahren, das den Beginn personalen Lebens den Bedingungen eines Vertrags unterwirft und so die Person zur Ware macht — eine Form der Instrumentalisierung.

Technologie und Transhumanismus

Der Transhumanismus ist die konsequenteste Form der Verbindung von Technologie und Personvergessenheit. Er will das Personsein selbst durch Technologie überwinden. Ob Kryptowährungen, die personale Beziehungen in algorithmische Prozesse überführen, oder die Vision einer Verschmelzung von Mensch und Maschine — der transhumanistische Irrtum besteht darin, technische Steigerung mit sittlicher Vervollkommnung zu verwechseln.

Ontologische Einordnung

  • Oberklasse: Seiendes
  • ist disjunkt mit: Person (Technologie ist etwas, Person ist Jemand)
  • Unterklassen: Künstliche Intelligenz, Gentechnologie, Überwachungstechnologie
  • Relation: gefährdet (Wesenscharakteristika der Person)

Überwachungstechnologie

Überwachungstechnologie umfasst Technologien, die die Privatsphäre der Person gefährden. Als Unterklasse der Technologie berührt sie unmittelbar die Innerlichkeit der Person — jenen Bereich des personalen Lebens, der zum Wesen des Personseins gehört und der Person als Jemand eigen ist.

Die personalistische Perspektive erkennt in der Überwachung eine besondere Gefahr für die Würde der Person. Wo die Innerlichkeit systematisch ausgeleuchtet wird, wird die Person zum durchsichtigen Objekt degradiert. Die Freiheit der Person — die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und zur unbeobachteten Entfaltung des eigenen Lebens — wird untergraben.

Überwachungstechnologie kann so zu einer subtilen, aber wirksamen Form der praktischen Personvergessenheit werden. Dies gilt insbesondere, wenn sie mit Künstlicher Intelligenz verbunden ist.

Ontologische Einordnung

Oberbegriff: Technologie

Ontologische Beziehungen:

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 289–299 (Technologie als Werkzeug der Personvergessenheit, Gefährdung der Wesenscharakteristika der Person).

Weitere Quellen:

  • Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta. (Unterscheidung Jemand/Etwas als Grundlage der Technikkritik)

Siehe auch: