Einsicht
Die Einsicht ist der eigentliche Kern philosophischer Erkenntnis. Ohne sie gäbe es nur Meinungen, Vermutungen und Behauptungen. Einsicht bedeutet: Man sieht ein, dass etwas so ist — und dass es nicht anders sein kann. Man erfasst einen Sachverhalt, der wirklich so ist, unabhängig davon, was einzelne Menschen darüber meinen. Wer einsieht, dass ein Teil nicht ohne ein Ganzes existieren kann, hat nicht eine Meinung über Teile und Ganze — er hat verstanden, wie es sich verhält.
Das Buch unterscheidet sorgfältig zwischen dem Begriffsakt (dem individuellen Denkvorgang, der in einem bestimmten Menschen zu einer bestimmten Zeit stattfindet) und dem Begriffsinhalt (dem, was durch den Akt erfasst wird und von anderen ebenso erfasst werden kann). Wenn ein Student in München und ein Student in Tokio beide den Satz des Pythagoras verstehen, haben beide verschiedene Begriffsakte vollzogen, aber denselben Begriffsinhalt erfasst. Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir uns überhaupt verständigen können (vgl. Bexten 2017, S. 68—75).
Für die Frage nach der Person ist Einsicht in doppelter Hinsicht bedeutsam: Erstens setzt das Begreifen ein geistiges Wesen voraus — der Begriffsinhalt ist nicht identisch mit dem neuronalen Prozess; er hat weder Gewicht noch Ort. Dass 2 + 2 = 4 ist, hat kein Gewicht und keinen Ort. Daraus folgt: Der Mensch ist mehr als sein Gehirn, er ist ein geistiges Wesen (vgl. Seele). Zweitens bildet die Einsicht in das Personsein die Grundlage der Personalistischen Norm: Wer die Person erkennt, erkennt auch ihre Würde. Husserl und Josef Seifert haben die Methode der Wesensschau als Zugang zu notwendigen Sachverhalten besonders betont.
Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Wie denkt man über solche Fragen nach?, Kapitel 3 (bes. 3.2)
Ontologische Zuordnung: Einsicht ist (gemäss Ontologie) Unterklasse von PersonalerAkt und gehört zum Personverhalten. Sie setzt Rationalität voraus (setztVoraus) und richtet sich auf Wesensgesetze und Urphänomene.
Siehe auch
- Erkenntnis
- Wahrheit
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Seele
- Substanz
- Freiheit
- Vernunft
- Würde
- Personalistische Norm
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Personvergessenheit
- Jemand
- Liebe
- Bejahung
- Leib-Seele-Einheit
- Personverhalten
- Actus humanus
- Selbstbewusstsein
- Innerlichkeit
- Intentionalität
- Urphänomen
- Wesensgesetz
- Metaphysik
- Begriff
- Personbegriff
- Agere sequitur esse
- Natur
- Basale Relationen
- Embryo
- Demenz
- Selbsttranszendenz
- Edmund Husserl
- Josef Seifert
- Adolf Reinach
- Peter Wust
- Robert Spaemann
- Kapitel 2: Methode
- Kapitel 3: Personbegriff
- Denken