Die Würde der Person ist kein von außen verliehener Status, sondern ein unverlierbarer, objektiver Wert, der zum Wesen des Personseins selbst gehört. Sie ist nicht etwas, das der Staat verleiht, die Gesellschaft gewährt oder das man sich durch Leistung verdient. Sie geht nicht durch Krankheit, Alter, Behinderung oder Schuld verloren. Schon Alexander von Hales (1185—1245) definierte: “Die Person ist ein eigenständiges Wesen, das sich durch seine zur Würde gehörenden Eigentümlichkeit unterscheidet.”

Aus dem Buch

“Die Würde des Menschen ist keine Auszeichnung, die man erwerben müsste. Sie ist kein Titel, den die Gesellschaft verleiht und wieder entziehen könnte. Sie gehört zum Wesen jeder menschlichen Person — unverlierbar, unantastbar, von der Empfängnis bis zum Tod.”

Die Ergebnisse auf einen Blick, Kapitel 6

Das Gemeinsame und Verbindende aller verschiedenen grundlegenden Personauffassungen liegt in der unvergleichbaren Würde der Person. Doch die Begründung dieser Würde fällt je nach Personbegriff grundverschieden aus (vgl. Bexten 2017, S. 93—98). Der substanzontologische Personbegriff begründet die Würde im Sein der Person: Weil die Person das Vollkommenste in der gesamten Natur ist — wie Thomas von Aquin formuliert —, kommt ihr eine Achtung zu, die nicht verhandelbar ist.

Man muss zwei Arten von Wert unterscheiden. Die ontologische Würde kommt jeder Person allein dadurch zu, dass sie existiert. Sie ist unverlierbar. Der qualitative Wert dagegen kann durch freies Handeln in der dritten Dimension wachsen oder schwinden. Auch ein Mensch, der schwere Schuld auf sich geladen hat, bleibt Person mit unverlierbarer ontologischer Würde.

Die Würde gründet in der ersten Dimension des Personseins. Sie kann daher weder durch fehlende Fähigkeiten noch durch moralisches Versagen aufgehoben werden. Aus dieser Würde folgt die Personalistische Norm: Die menschliche Person ist um ihrer selbst willen zu bejahen und zu lieben.

Würde und ihre Bedrohungen

Die Würde der Person kann nicht zerstört werden, aber sie kann missachtet werden. Die schwersten Formen dieser Missachtung sind zugleich Formen der Personvergessenheit. Krieg negiert die Würde im Töten systematisch. Macht ohne Verantwortung unterwirft die Person dem Willen anderer. Geld als einziger Maßstab reduziert die Person auf einen Preis, obwohl sie über jeden Preis erhaben ist. Jede Instrumentalisierung, ob durch Technologie, wirtschaftliche Strukturen oder politische Gewalt, verletzt die Würde, auch wenn sie die Person nicht auslöschen kann.

Kapitelzuordnung: Kapitel 3: Was ist eine Person? (bes. 3.3.3), Kapitel 1: Einleitung, Kapitel 4

Heiligkeit

Höchste Wertstufe im Ordo Amoris (Scheler: sinnlich < vital < geistig < heilig). Betrifft die Wertantwort auf das Absolute und Unbedingte. Otto: Das Heilige als ‘mysterium tremendum et fascinans’.

Heiligkeit gehört zur axiologischen Vervollkommnung in der Dritten Dimension des Personseins: Sie ist die höchste Stufe der sittlichen Verwirklichung, in der die Person sich ganz auf das Absolute hin übersteigt. In der Heiligkeit vollendet sich, was in Tugend, Liebe und Erkenntnis angelegt ist — die Übereinstimmung des Lebens mit dem, was die Person ihrem Wesen nach ist und sein soll. Das Gewissen spielt dabei eine entscheidende Rolle als Instanz, die den Menschen auf das Gute und Wahre hin ausrichtet.

Ontologische Beziehungen:

Verletzlichkeit

Verletzlichkeit bezeichnet den Zustand einer Person, deren Aktualisierung einer oder mehrerer Dimensionen des Personseins auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Sie betrifft insbesondere Embryonen, Kinder, Kranke, Alte und Behinderte — Personen also, die in besonderer Weise der Fürsorge bedürfen.

Verletzlichkeit mindert das Personsein in keiner Weise: Die Würde der verletzlichen Person ist dieselbe wie die jeder anderen Person, denn sie gründet nicht in der Aktualisierung der Dimensionen, sondern im Personsein selbst. Gerade die Verletzlichkeit offenbart die Tiefe der Interpersonalität: Sie ruft den anderen Jemand in die Verantwortung und macht die Personalistische Norm besonders dringlich. Wo die Verletzlichkeit einer Person ignoriert oder ausgenutzt wird, liegt eine besonders schwere Form der praktischen Personvergessenheit vor.

Ontologische Einordnung

Oberbegriff: Seiendes

Ontologische Beziehungen:

Ontologische Einordnung: Oberbegriffe: Urphänomen, Wesenscharakteristikum

Ontologische Beziehungen:

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 113–115, 232–233, 250, 260, 271 (Würde als Würdebegriff).

Weitere Quellen:

  • Alexander von Hales: Summa Theologica, Lib. III, Inq. 1 (ca. 1245) (Person und Würde).
  • Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 29, a. 3 (Person als „das Vollkommenste in der gesamten Natur”).

Siehe auch: