Unmittelbarer geistiger Sachkontakt mit dem Wesen eines Seienden; Grundmethode der realistischen Phänomenologie.
Die Wesenserschauung ist ein Akt der Erkenntnis, in dem die Person das Wesen eines Seienden unmittelbar erfasst — nicht durch Schlussfolgerung oder Hypothese, sondern durch Einsicht. Sie setzt die Wahrheitsfähigkeit der Person voraus: Nur ein Wesen, das auf Wahrheit ausgerichtet ist, kann das Wesen der Dinge erschauen. Die Wesenserschauung ist damit ein Ausdruck der Rationalität in ihrer tiefsten Form — nicht als bloßes Schließen, sondern als geistiges Sehen.
Husserl hat die Wesenserschauung als Methode der Phänomenologie begründet; die realistische Phänomenologie versteht sie als echten Kontakt mit der Wirklichkeit — nicht als bloße Konstruktion des Bewusstseins.
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 33, 42, 51, 54, 76 (Wesenserschauung und Methode).
Weitere Quellen:
- Husserl, Edmund (1913): Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. (Wesenserschauung als Methode der Phänomenologie)
- Seifert, Josef (1987): Back to ‘Things in Themselves’. A Phenomenological Foundation for Classical Realism. London/New York: Routledge & Kegan Paul. (Realistische Phänomenologie und geistiger Sachkontakt)
Siehe auch: