Kontingenz bezeichnet die Nichtnotwendigkeit des eigenen Seins. Die menschliche Person erfährt sich als kontingent: Sie könnte auch nicht sein. Diese Erfahrung gehört zu den Grunderfahrungen des menschlichen Daseins und verweist über sich selbst hinaus auf ein nichtkontingentes, notwendiges Sein als Letztbegründung.
Die Kontingenzerfahrung ist keine bloß theoretische Einsicht, sondern durchdringt das gesamte personale Leben: In Krankheit, Leid und Todesnähe wird die Nichtnotwendigkeit des eigenen Seins existenziell erfahrbar. Zugleich bezeugt die Kontingenz die Geschöpflichkeit der Person — sie ist nicht Grund ihres eigenen Seins, sondern empfängt ihr Sein. Die Frage nach dem absoluten Sein erwächst aus der Kontingenzerfahrung.
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 37, 71, 180, 251 (Kontingenz und Seinsabhängigkeit).
Weitere Quellen:
- Seifert, Josef (1987): Back to ‘Things in Themselves’. A Phenomenological Foundation for Classical Realism. London/New York: Routledge & Kegan Paul. (Kontingenz und notwendiges Sein als Letztbegründung)
- Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q.2, a.3 (dritter Weg: vom Kontingenten zum Notwendigen)
Siehe auch: Person, Personsein, Absolutes Sein, Leid, Krankheit, Metaphysik, Seele