Verantwortung
Verantwortung bedeutet das Einstehen der Person für ihre eigenen Taten. Sie setzt Freiheit und Vernunft voraus: Nur wer erkennt, was er tut, und frei handelt, kann verantwortlich sein (vgl. Bexten 2017, S. 259 ff.). Der actus humanus — die bewusste, freie Handlung — ist der eigentliche Gegenstand der Verantwortung; für den actus hominis (unwillkürliche Handlung) trägt der Mensch keine moralische Verantwortung. Verantwortung setzt Selbstbewusstsein voraus — das Wissen um sich als Handelnden — und Innerlichkeit, denn das Handeln geht aus dem Inneren der Person hervor.
Verantwortung gehört zur zweiten Dimension des Personseins, zum Personverhalten. Tugend ist die Haltung, die verantwortliches Handeln zur Gewohnheit macht; Thomas von Aquin und Aristoteles sehen in der Tugend die Vervollkommnung des Handelnden. Wojtyła analysiert phänomenologisch, wie die Person sich im verantwortlichen Handeln verwirklicht. Verantwortungsfähigkeit ist Ausdruck der Würde der Person, doch die Würde gründet nicht in der aktualen Verantwortungsfähigkeit, sondern im Personsein selbst (agere sequitur esse): Auch wer nicht (mehr) verantwortlich handeln kann — der Embryo, der Mensch mit Demenz — bleibt Person. In der Bejahung und Liebe übernimmt die Person Verantwortung für den Anderen; die Personalistische Norm fordert: Die Person darf niemals bloß als Mittel gebraucht werden.
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.7.4)
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Interpersonale Relation; Unterbegriff: Ökologische Verantwortung
Siehe auch
- Freiheit
- Vernunft
- Personsein
- Person
- Menschliche Person
- Personverhalten
- Tugend
- Actus humanus
- Selbstbewusstsein
- Innerlichkeit
- Würde
- Agere sequitur esse
- Liebe
- Bejahung
- Personalistische Norm
- Selbsttranszendenz
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Erkenntnis
- Einsicht
- Wahrheit
- Intentionalität
- Substanz
- Seele
- Natur
- Embryo
- Demenz
- Jemand
- Personvergessenheit
- Personbegriff
- Akt und Potenz
- Verzeihen
- Basale Relationen
- Urphänomen
- Thomas von Aquin
- Aristoteles
- Karol Wojtyła
- Robert Spaemann
- Hans Eduard Hengstenberg
- Kapitel 4: Personsein
- Künstliche Intelligenz
- KI-Ethik
- Macht
- Gewissen