Robert Sparrow — Philosoph an der Monash University in Melbourne — ist der prägendste Stimmen der Debatte um letale autonome Waffensysteme. Sein Aufsatz Killer Robots im Journal of Applied Philosophy (2007) benannte und diagnostizierte erstmals die Verantwortungslücke als das spezifische Problem autonomer militärischer Systeme.

Schlüsselbeitrag

Sparrow argumentiert: Wenn ein letales autonomes Waffensystem ohne menschliche Freigabe einen Menschen tötet, lässt sich die Tat niemandem im klassischen Sinn zurechnen. Nicht dem Programmierer (der das spezifische Einsatzszenario nicht vorhergesehen hat), nicht dem Operator (der keine Freigabe erteilte), nicht dem Kommandeur (der nur den allgemeinen Rahmen setzte), und nicht der Maschine (die als nicht-personales System nicht schuldfähig ist). Die Verantwortung zersplittert — und genau diese Zersplitterung verletzt eine Grundforderung des jus in bello: Jede Tötung im Krieg muss einer personal identifizierbaren Instanz zurechenbar sein.

Sparrow schließt daraus das Verbotspostulat: Systeme, die diese Zurechnung strukturell unmöglich machen, sollen völkerrechtlich verboten werden. Seine Position wurde 2013 durch die UN-Sonderberichterstatter-Initiative (Heyns-Bericht) und 2025 durch die UN-Generalversammlungsresolution (164 Ja-Stimmen) institutionell aufgenommen.

Bedeutung für die Personalontologie

Die Verantwortungslücke ist die praktische Konsequenz dessen, was die Personalontologie begrifflich festhält: Nur Personen können Verantwortung tragen, weil nur sie Freiheit, Gewissen und Vernunft besitzen. Ein Roboter ist etwas, kein Jemand — er kann keine Zurechnungs­adresse sein. Sparrow zeigt, dass jede Delegation letaler Entscheidungen an autonome Systeme strukturell Personvergessenheit institutionalisiert: Wo die Maschine tötet, wird die Frage wer ist verantwortlich? systemisch gegenstandslos — und damit der personale Kern des Rechts ausgehöhlt.

Stellung im Buch

Sparrow liefert die militärethische Anwendung des Verantwortungsbegriffs, den die Personalontologie metaphysisch grundlegt. Er zeigt, wohin die Reduktion von Handlung auf Funktion praktisch führt: in eine Kriegführung ohne Täter. Das ist die schärfste Bestätigung der Warnung Spaemanns, dass die Einebnung der jemand-etwas-Unterscheidung nicht nur theoretisch, sondern politisch-praktisch katastrophische Folgen hat.

Siehe auch

Quellenangaben: Sparrow, Robert (2007): „Killer Robots”. Journal of Applied Philosophy 24(1), S. 62–77.

Weitere Quellen:

  • Sparrow, Robert (2016): „Robots and Respect: Assessing the Case Against Autonomous Weapon Systems”. Ethics & International Affairs 30(1), S. 93–116.
  • Heyns, Christof (2013): Report of the Special Rapporteur on extrajudicial, summary or arbitrary executions: Lethal autonomous robotics and the protection of life. UN-Dok. A/HRC/23/47.
  • United Nations General Assembly (2025): Resolution on Lethal Autonomous Weapons Systems (First Committee, 6. November 2025; 164 Ja, 6 Nein, 7 Enth.).