Eine akzidentelle Bestimmung der Person in einer Gemeinschaft. Veränderlich
Ontologische Beziehungen:
- hat Unterklasse: Anwalt
- hat Unterklasse: Elternrolle
- hat Unterklasse: Fachrolle
- hat Unterklasse: Führungsrolle
- hat Unterklasse: Kindrolle
- hat Unterklasse: Mitarbeiterrolle
- ist Unterklasse von: Akzidenz
- hat Unterklasse: Wunscheltern
- (invers) range: spielt Rolle
Die Person als Rollenträgerin
Ontologische Relation: Eine Person spielt eine soziale Rolle in einer Gemeinschaft. Die Rolle ist akzidentell — sie kann wechseln, ohne dass sich das Personsein ändert. Die Person ist nie auf ihre Rolle reduzierbar; wer die Person mit ihrer Rolle identifiziert, begeht Instrumentalisierung. Die ontologische Grundlage dieser Relation liegt in der Unterscheidung von Substanz und Akzidenz. Die Person ist Substanz (ens per se), die Rolle dagegen ein akzidentelles Verhältnis. Konkrete Rollen wie Führungsrolle, Mitarbeiterrolle, Elternrolle oder Kindrolle bestimmen die Person näher, ohne ihr Wesen zu konstituieren. Die Personalistische Norm fordert, dass jede Rollenzuschreibung das Personsein des Rollenträgers achtet.
- Domain: Person
- Range: Soziale Rolle
Anwalt
Der Anwalt ist eine Person in der sozialen Rolle des Rechtsbeistands. Diese Rolle steht im Dienst der Gerechtigkeit als Urphänomen und schützt die Rechte von Personen im rechtlichen Verfahren (vgl. Bexten 2017, S. 309 ff.).
Aus personontologischer Sicht ist die Anwaltsrolle bedeutsam, weil sie die Würde der Person auch in institutionellen Kontexten zur Geltung bringt. Der Anwalt vertritt die berechtigten Ansprüche einer Person, die selbst nicht über die fachliche oder faktische Möglichkeit verfügt, ihre Rechte durchzusetzen.
Wie bei jeder sozialen Rolle gilt: Die personalistische Norm bindet den Anwalt, den Mandanten niemals bloß als Mittel zu behandeln. Die Rolle bleibt akzidentell. Sie konstituiert nicht das Personsein des Rolleninhabers, stellt aber eine Weise dar, Verantwortung für andere Personen konkret zu übernehmen.
Elternrolle
Die Elternrolle ist eine soziale Rolle, die eine Person als Mutter oder Vater innerhalb einer Familie einnimmt. Ontologisch betrachtet ist sie akzidentell: Sie gehört nicht zum Wesen der Person, sondern ist eine kontingente Bestimmung, die zur Substanz hinzutritt (vgl. Bexten 2017, S. 250 ff.).
Gleichwohl ist die Elternrolle von besonderer personaler Bedeutung. Sie bringt eine tiefgehende Verantwortung mit sich: Die Eltern sind die ersten, die dem Kind in personaler Weise begegnen und es in seiner Entfaltung begleiten. Fürsorge, Erziehung und Liebe sind die dem Elternsein eigentümlichen Vollzüge. Entscheidend bleibt die personalontologische Einsicht: Auch wer niemals Elternteil wird, ist in vollem Sinne Person. Die Elternrolle konstituiert nicht das Personsein, sondern ist eine Weise, es in der interpersonalen Gemeinschaft zu verwirklichen.
Fachrolle
Die Fachrolle ist eine soziale Rolle, in der eine Person aufgrund spezifischer fachlicher Kompetenz in einem bestimmten Bereich tätig ist (vgl. Bexten 2017, S. 314 f.).
In der personontologischen Perspektive ist die Fachrolle eine akzidentelle Bestimmung. Sie beschreibt, was jemand tut und kann, nicht wer jemand ist. Die Person geht niemals in ihrer fachlichen Funktion auf. Zugleich ist die Ausübung fachlicher Kompetenz eine Weise, in der die Person ihre Rationalität und Fähigkeiten in den Dienst anderer stellt. Sie kann Ausdruck genuiner Arbeit und personaler Verwirklichung sein.
Problematisch wird die Fachrolle dort, wo die Person ausschließlich über ihre Expertise definiert und auf diese reduziert wird. Eine solche Reduktion wäre eine Form der Personvergessenheit, die den Wesenskern der Person — ihre Würde jenseits jeder Funktion — verkennt.
Führungsrolle
Die Führungsrolle ist eine soziale Rolle, in der eine Person leitende Verantwortung für andere Personen und Strukturen übernimmt (vgl. Bexten 2017, S. 313 ff.).
Aus personontologischer Sicht ist entscheidend, dass jede Führung an die personalistische Norm gebunden bleibt. Die geführten Personen dürfen niemals bloß als Mittel zur Erreichung organisatorischer Ziele behandelt werden. Legitime Autorität unterscheidet sich von bloßer Macht dadurch, dass sie dem Wohl der Personen dient und deren Würde achtet.
Die Führungskompetenz umfasst daher nicht nur fachliche und organisatorische Fähigkeiten, sondern wesentlich die Fähigkeit, den Anderen als Person wahrzunehmen. Wo Führung die Person auf ihre Funktion reduziert, wird sie zur Personvergessenheit. Die Führungsrolle selbst bleibt akzidentell — sie gehört nicht zum Wesen der Person.
Kindrolle
Die Kindrolle ist die soziale Rolle, die eine Person als Kind innerhalb einer Familie einnimmt. Wie alle sozialen Rollen ist sie akzidentell — sie bestimmt nicht das Wesen der Person, sondern beschreibt eine relationale Stellung innerhalb einer Gemeinschaft (vgl. Bexten 2017, S. 251 ff.).
Die Kindrolle hat jedoch eine besondere Bedeutung für die personale Entwicklung: Das Kind erfährt in der Familie die erste und grundlegende Form interpersonaler Beziehung. In der Beziehung zu den Eltern wird das Kind als Person anerkannt, geliebt und in seiner Entfaltung gefördert. Die Erziehung und die Kindheit als Lebensphase sind der Raum, in dem grundlegende personale Fähigkeiten — Vertrauen, Sprache, sittliches Bewusstsein — geweckt werden. Ontologisch bleibt das Kind von Beginn seines Daseins an volle Person mit unveräußerlicher Würde.
Mitarbeiterrolle
Die Mitarbeiterrolle ist die soziale Rolle, die eine Person als Mitarbeiterin in einem Unternehmen oder einer Organisation einnimmt. Sie ist veränderlich und akzidentell — die Person ist nicht ihre Rolle (vgl. Bexten 2017, S. 314 ff.).
Dieser Grundsatz hat weitreichende Konsequenzen: Menschenwürdige Arbeit verlangt, dass der Mitarbeiter als Person wahrgenommen wird — nicht als austauschbarer Funktionsträger. Die personalistische Norm fordert, dass Arbeitsverhältnisse so gestaltet sind, dass sie die Würde der Person respektieren: durch gerechten Lohn, angemessene Arbeitsbedingungen und Anerkennung des personalen Beitrags. Wo ein Unternehmen den Mitarbeiter ausschließlich über seinen Nutzen für die Organisation definiert, liegt eine Instrumentalisierung vor. Die Person besitzt ihre Würde vor und unabhängig von jeder beruflichen Rolle, die sie einnimmt.
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 250–316 (Soziale Rollen als akzidentelle Bestimmungen der Person; Substanz und Akzidenz; Elternrolle, Führungsrolle, Mitarbeiterrolle).
Weitere Quellen:
- Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 29, a. 1–2 (Person als Substanz; Unterscheidung von Substanz und Akzidenz).
Siehe auch: