Wahrheit

Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit der Wirklichkeit. Aristoteles hat diese Definition gegeben: “Die Philosophie ist die Wissenschaft der Wahrheit. Die theoretische Wissenschaft hat die Wahrheit zum Ziel.” Wahrheit hängt nicht davon ab, ob jemand sie für richtig hält. Sie gilt, ob Menschen sie anerkennen oder nicht. Wer behauptet, es gebe keine Wahrheit, widerspricht sich selbst — denn er beansprucht, dass es wahr sei, dass es keine Wahrheit gibt. Das ist der “relativistische Widerspruch”: Selbst der Verzicht auf Wahrheit setzt Wahrheit voraus.

Das Buch unterscheidet verschiedene Dimensionen der Wahrheit (vgl. Bexten 2017, S. 30—50): die logische Wahrheit (Übereinstimmung eines Urteils mit dem Sachverhalt), die ontologische Wahrheit (die Erkennbarkeit jedes Seienden) und die ontologische Wahrheit der Person (Übereinstimmung zwischen dem, was der Mensch ist, und dem, was er tut). In der dritten Dimension des Personseins verwirklicht der Mensch seine ontologische Wahrheit, wenn er das Gute tut und liebt — oder er wird zur “ontologischen Lüge”, wenn sein Handeln seinem Wesen widerspricht.

Für das Verständnis der Person ist entscheidend, dass es einen treffenden (adäquaten) Begriff der Person gibt — einen, der die Sache trifft und nicht bloß eine willkürliche Setzung darstellt. Spaemann ergänzt: “Der Philosoph hat nicht für wahr zu halten, was die herrschende Meinung verlangt. Er muss, ohne Erfolgsgarantie, das einbringen, was er als wahr erkannt hat.” Die Einsicht in die Wahrheit über die Person bildet die Grundlage für die Personalistische Norm und steht der Personvergessenheit entgegen.

Ontologische Einordnung: Oberbegriffe: Objektiver Wert, Urphänomen

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Wie denkt man über solche Fragen nach?, Kapitel 3 (bes. 3.2.3)

Siehe auch: