Hinweis: Die ethischen Urteile auf dieser Seite beziehen sich ausschließlich auf die Handlung — niemals auf die Person, die sie ausführt. Jede Person besitzt unverlierbare Würde, unabhängig davon, was sie tut oder getan hat. Vgl. Hinweis zu ethischen Urteilen.
Ein Savior Sibling (deutsch: Rettungsgeschwister) ist ein Kind, das mittels In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik (PGT) erzeugt und nach seinem HLA-Gewebeprofil ausgewählt wird, damit es als Spender von Nabelschnurblut, Stammzellen oder Knochenmark für ein schwer krankes Geschwisterkind dienen kann.
Das Verfahren
Es werden mehrere Embryonen durch IVF erzeugt und mittels PGT auf zwei Kriterien getestet: (1) Abwesenheit der familiären Erbkrankheit und (2) HLA-Kompatibilität mit dem erkrankten Geschwisterkind. Nur der Embryo, der beide Kriterien erfüllt, wird transferiert. Die übrigen Embryonen werden verworfen oder kryokonserviert.
Personalontologische Einordnung
Die Savior-Sibling-Selektion ist eine besonders deutliche Verletzung der Personalistischen Norm: Der neue Mensch wird nicht um seiner selbst willen ins Dasein gerufen, sondern als Mittel zum Zweck eines anderen. Wojtyła formuliert: Die Person darf niemals bloßes Mittel sein, sondern ist stets als Zweck an sich zu bejahen.
Die Notlage der Eltern — ein schwer krankes Kind — ist nachvollziehbar und verdient Mitgefühl. Die gute Absicht ändert jedoch nicht das Objekt der Handlung: Ein Mensch wird erzeugt, um einem anderen zu nützen. Mehrere Embryonen — jeder von ihnen eine menschliche Person mit voller ontologischer Würde — werden im Selektionsprozess verworfen, weil ihr Gewebeprofil nicht passt.
Die Savior-Sibling-Selektion ist damit eine Form der eugenischen Selektion und zugleich eine in sich schlechte Handlung: Die Instrumentalisierung der Person lässt sich durch keinen noch so guten Zweck rechtfertigen.
Rechtliche Situation
Im Vereinigten Königreich hat die HFEA (Human Fertilisation and Embryology Authority) im Fall Hashmi (2001) erstmals eine Savior-Sibling-Selektion genehmigt. In Deutschland ist das Verfahren nach dem Embryonenschutzgesetz nicht ausdrücklich geregelt, aber durch die restriktive PID-Zulassung faktisch ausgeschlossen. In den USA besteht keine Bundesregulierung.
Ontologische Einordnung
Oberbegriffe: Präimplantationsdiagnostik
Ontologische Beziehungen:
- ist Unterklasse von: Präimplantationsdiagnostik
- ist Unterklasse von: Eugenische Selektion
- widerspricht: Personalistische Norm
- setzt voraus: In-vitro-Fertilisation
Kapitelzuordnung: Kapitel 5: Personvergessenheit
Siehe auch
- Präimplantationsdiagnostik
- Eugenische Selektion
- Personalistische Norm
- In-vitro-Fertilisation
- Ontologische Würde
- Embryo
- In sich schlechte Handlung
- Personvergessenheit
- Bioethik
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 195 ff. (Personvergessenheit und Instrumentalisierung).
Weitere Quellen:
- HFEA (2001): Hashmi Case — erste Genehmigung einer Savior-Sibling-Selektion im Vereinigten Königreich.
- Deutscher Ethikrat (2011): Präimplantationsdiagnostik — Stellungnahme.