Embryo

Der menschliche Embryo ist eine Person von Anfang an — von der Verschmelzung der Keimzellen an. Er ist nicht eine mögliche Person, nicht eine werdende Person, nicht eine “potentielle Person”. Er ist eine wirkliche, vollständige Person, die sich entfalten wird. Er hat alles, was es braucht, um Person zu sein, denn Personsein hängt nicht an der Entfaltung von Fähigkeiten, sondern am Sein selbst (vgl. Bexten 2017, S. 155—175, 183—202).

Die Unterscheidung von Akt und Potenz ist hier entscheidend: Der Embryo hat nicht bloß die passive Möglichkeit, eines Tages zu denken (wie ein Marmorblock die passive Möglichkeit hat, eine Statue zu werden). Er hat die aktive Anlage dazu — er strebt von innen heraus auf die Entfaltung seiner Denk-, Willens- und Liebesfähigkeit hin. Kein Arzt muss dem Embryo sagen, wie er ein Gehirn bilden soll; kein Ingenieur muss ihm zeigen, wie man ein Herz baut. All das geschieht von innen, kraft des eigenen geistigen Lebensprinzips — der Geistseele, die seinen ganzen Leib von der ersten Zelle an durchformt.

Der Embryo lebt in der ersten Dimension des Personseins: dem grundlegenden geistigen Dasein, das noch kein aktuelles Bewusstsein voraussetzt. Er besitzt die unverlierbare Würde, die jedem Jemand zukommt. Die Trennung zwischen “nur biologischem” und “eigentlich personalem” Leben ist künstlich: Sein biologisches Leben ist von der ersten Sekunde an das Leben einer Person. Spaemann formuliert: “Es gibt keine potentiellen Personen.” Josef Seifert und Karol Wojtyła teilen diese Position, die sich gegen den empirisch-funktionalistischen Personbegriff (Singer, Locke) richtet.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.4.3, 4.6.5, 4.7.3), Kapitel 1

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Pränatale Phase (als Embryonale Phase)

Siehe auch: