Werte (Werte und Unwerte) bezeichnen in der personalistischen Ontologie die qualitativen Bestimmungen, die das Personsein in seiner Entfaltung annehmen kann. Die Person ist nicht nur Trägerin von Werten, sondern selbst der höchste endliche Wert. Ihre Würde ist kein Wert unter anderen, sondern der Grund, auf dem alle sittlichen Werte aufruhen.
In der dritten Dimension des Personseins verwirklicht die Person Tugenden als dauerhafte Werthaltungen und kann sich so der ihr eigenen Vollkommenheit annähern. Ebenso kann sie durch Laster Unwerte verwirklichen und hinter dem zurückbleiben, was sie in Wahrheit ist. Der ontologische Wert der Person als Person bleibt dabei stets erhalten. Er ist unverlierbar und von den verwirklichten oder verfehlten sittlichen Werten zu unterscheiden (vgl. Bexten 2017, S. 185—200).
Objektiver Wert
Ein objektiver Wert ist ein Wert, der unabhängig von subjektiver Anerkennung, Empfindung oder Nutzenerwägung an sich besteht. Die ontologische Würde der Person ist ein solcher objektiver Wert: Sie kommt der Person zu, gleichgültig ob jemand sie anerkennt oder nicht (vgl. Bexten 2017, S. 143-160).
Hildebrand hat die Lehre vom objektiven Wert systematisch entfaltet. Er unterscheidet den Wert (das Wichtige an sich) vom bloß subjektiv Befriedigenden und vom objektiv Gut-für-jemanden. Der Wert fordert eine angemessene Wertantwort: Wer das Schöne sieht, soll es bewundern; wer das Heilige erkennt, soll es verehren. Scheler ergänzt die materiale Wertordnung: Es gibt eine objektive Rangordnung der Werte — von den sinnlichen Werten über die geistigen bis zu den sittlichen und religiösen Werten (Heiligkeit).
Zu den objektiven Werten gehören unter anderem Wahrheit, Schönheit, Heiligkeit, der intrinsische Wert der Person und das Gemeinwohl. Die Leugnung objektiver Werte führt zum Wertrelativismus und untergräbt die Begründung der moralischen Relevanz des Personseins (vgl. Bexten 2017, S. 148-157).
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Urphänomen; Unterbegriffe: Gemeinwohl, Heiligkeit, Intrinsischer Wert, Moralische Relevanz, Schönheit, Sinn, Tierwohl, Wahrheit
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 114–115, 232, 238, 240, 272, 281 (Werte und Würde).
Weitere Quellen:
- Hildebrand, Dietrich von (1973): Ethik. In: Gesammelte Werke, Bd. II. Regensburg: Habbel. (Objektiver Wert und Unterscheidung vom bloß subjektiv Befriedigenden)
- Scheler, Max (1913/1916): Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik. Halle: Niemeyer. (Objektive Rangordnung der Werte)
Siehe auch: