Die Trauer ist die affektive Antwort auf einen erfahrenen Verlust. Sie bezeugt die Werthaftigkeit des Verlorenen und ist Ausdruck personaler Tiefe. Trauer gehört zur Klasse der intentionalen Gefühle: Sie ist auf einen objektiven Wert gerichtet — die verlorene Person, die Beziehung, das nicht mehr Wiederbringliche.

Ontologisch ist Trauer kein Symptom oder Defekt, sondern eine Bezeugung: Wer trauert, gibt der Liebe zum Verlorenen Ausdruck. Eine Person, die nichts und niemanden vermisst, hat nicht mehr Stärke, sondern weniger Personalität.

Ontologische Einordnung

Oberbegriff: Intentionales Gefühl

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Trauer-Modelle und Modellkritik

Wie verläuft Trauer? Drei Modelle prägen die internationale Diskussion — mit sehr unterschiedlicher empirischer Tragfähigkeit:

  • Bowlby-Parkes-Phasenmodell (1972/1980) — bindungstheoretisch fundiert, vier Phasen, nicht-linear
  • Worden-Aufgabenmodell (1982/2009) — Aufgaben statt Stufen, der Trauernde ist aktiv
  • Kübler-Ross-Modell (1969) — empirisch nicht hinreichend gestützt, ursprünglich für Sterbende formuliert

Eine ausführliche Darstellung mit Kritik: Trauer-Modelle.

Personalontologische Pointe

Die Personalistische Norm verlangt, die Person um ihrer selbst willen zu bejahen. Trauer ist eine konkrete Verwirklichung dieser Norm: Sie sagt mit dem Schmerz, dass der Verstorbene nicht ersetzbar war und nicht ersetzbar ist. Trauerbegleitung ist deshalb nicht Therapie eines Defekts, sondern Begleitung einer Person, die in der Trauer ihrer Liebe Ausdruck gibt.

Siehe auch