1.6 Eine Einladung zum Mitdenken
Dieses Buch will nicht überreden, sondern überzeugen. Es will zeigen, nicht bloß behaupten. Deshalb baut es seine Argumente Schritt für Schritt auf und legt den Gedankengang offen. Sie können jeden Schritt nachprüfen, jedes Argument hinterfragen, jede Schlussfolgerung bedenken.
Sie werden in den folgenden Kapiteln auf manche Idee stoßen, die ungewohnt ist. Manches wird Ihnen auf den ersten Blick fremd vorkommen — nicht weil es so kompliziert wäre, sondern weil wir es verlernt haben, auf bestimmte Weise über den Menschen nachzudenken. Wir leben in einer Zeit, die sehr viel über den Menschen als biologischen Organismus weiß — die seine Gene entschlüsselt, seine Hirnströme messen und seine Emotionen neurochemisch erklären kann —, die aber erstaunlich wenig darüber nachdenkt, was der Mensch im Kern ist. Wir wissen immer mehr über den Menschen — und verstehen immer weniger, wer er ist.
Vielleicht liegt gerade darin eine Form der Personvergessenheit: nicht im offenen Leugnen, nicht im aggressiven Bestreiten, sondern im stillen Vergessen, im leisen Übergehen. Wir wissen alles über den Menschen — und haben vergessen, wer er ist.
Dieses Buch erinnert daran. Es nimmt Sie mit auf einen Gedankenweg, der beim Begriff der Person beginnt, über die Frage nach dem menschlichen Personsein führt und am Ende bei der unverlierbaren Würde jedes einzelnen Menschen ankommt.
Die Grundüberzeugung, die diesen gesamten Weg trägt, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Der Mensch ist nicht deshalb wertvoll, weil er etwas kann, weil er etwas leistet oder weil andere ihm Wert zusprechen. Er ist wertvoll, weil er ist, was er ist — eine Person. Und Personsein kann man weder erwerben noch verlieren. Es ist das, was man ist: von Anfang an.
Lassen Sie uns gemeinsam nachdenken.
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