Der Substanzpersonalismus ist die philosophische Position, dass die Person eine Substanz ist — ein eigenständig existierendes geistiges Seiendes, das nicht auf seine Eigenschaften, Funktionen oder Akte reduziert werden kann. Diese Auffassung wird in der Tradition der realistischen Phänomenologie und des Thomismus vor allem von Edith Stein, Josef Seifert und Robert Spaemann vertreten. Ihr gemeinsamer Grundgedanke: Die Person ist jemand, nicht bloß etwas — und dieses Jemand-Sein gründet in einem substantiellen Sein, das allen Akten, Fähigkeiten und Zuständen vorausliegt und sie trägt.

Der entscheidende Vorteil des Substanzpersonalismus zeigt sich dort, wo der Aktpersonalismus an seine Grenzen stößt: bei der Frage nach der Identität der Person über die Zeit. Wer die Person nur als Vollzugszusammenhang ihrer Akte versteht, kann nicht erklären, warum die schlafende, bewusstlose oder an Demenz erkrankte Person dieselbe Person bleibt. Der Substanzpersonalismus kann dies: Die Person bleibt identisch, weil ihr Sein nicht von ihren aktuellen Vollzügen abhängt. Sie ist, bevor sie handelt, und sie bleibt, auch wenn sie nicht mehr handeln kann. Das Prinzip agere sequitur esse — das Handeln folgt dem Sein — bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt.

Der Substanzpersonalismus setzt den Begriff der Substanz voraus, wie er in der aristotelisch-thomistischen Tradition entwickelt wurde. Substanz meint dabei nicht Starre oder Abgeschlossenheit, sondern eigenständiges Insichstehen — die Voraussetzung dafür, dass die Person sich mitteilen, erkennen und lieben kann. Nur wer bei sich selbst ist, kann aus sich herausgehen. Der substanzontologische Personbegriff entfaltet diese Einsicht systematisch.

Quellenangaben: Bexten 2017, Kap. 2 (substanzontologischer Personbegriff) und Kap. 6 (Vergleich der Personbegriffe).

Weitere Quellen:

  • Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Thomas von Aquin: Summa theologiae, I, q. 29 (De personis divinis). — Dt.: DThA, Bd. 3. Salzburg: Pustet, 1939.
  • Boëthius: Liber de persona et duabus naturis (ca. 512). — Dt.: Die theologischen Traktate. Übers. M. Elsässer. Hamburg: Meiner (PhB 397), 1988.

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