Selbsthingabe

Der freie personale Akt, in dem die Person sich selbst dem Anderen schenkt. Setzt Selbstbesitz und Selbstbeherrschung voraus: Nur wer sich „hat”, kann sich geben. Wojtyla formuliert den Grundsatz: „Der Mensch kann sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden.” Die Selbsthingabe ist damit nicht Selbstverlust, sondern die höchste Verwirklichung der Person in der personalen Liebe.

Die Selbsthingabe ist der Kern der Liebe im personalistischen Verständnis: Lieben heißt, sich dem Anderen um seiner selbst willen zu schenken. Dies unterscheidet die personale Liebe grundlegend von jeder Form des Begehrens, das den Anderen zum Objekt der eigenen Bedürfnisbefriedigung macht. Die Selbsthingabe setzt daher den freien Willen wesentlich voraus — sie kann nicht erzwungen werden und verliert ihren Charakter, sobald sie nicht mehr frei ist. Sie setzt ferner Freiheit in ihrem tiefsten Sinn voraus: Die Person muss über sich selbst verfügen können (Selbstbesitz), um sich verschenken zu können (vgl. Bexten 2017, S. 200–210).

Die leibliche Selbsthingabe ist eine besondere Form der Selbsthingabe, in der die Person sich auch in ihrer leiblichen Dimension dem Anderen schenkt. Sie ist der angemessene Ausdruck der ehelichen Liebe und steht in direktem Gegensatz zur Konkupiszenz, die den Leib des Anderen zum Gegenstand des Begehrens degradiert. Die Keuschheit ist die Tugend, die die Selbsthingabe in der leiblichen Dimension ermöglicht, indem sie die Sinnlichkeit in den Dienst der personalen Liebe stellt. Die Selbsthingabe verwirklicht sich in vollkommener Weise in der Communio Personarum — der Gemeinschaft der Personen, die auf gegenseitiger Hingabe gründet.

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein

Siehe auch: Person, Liebe, Personale Liebe, Freiheit, Freier Wille, Communio Personarum, Keuschheit, Konkupiszenz, Leibliche Selbsthingabe, Karol Wojtyła, Bräutliche Liebe, Ehe