Liebe
Liebe ist, im Kern des in diesem Buch vertretenen Verständnisses, die Bejahung der Person um ihrer selbst willen. Sie ist keine bloße Emotion, kein Gefühl neben anderen, sondern die einzig angemessene Antwort auf das Personsein und die Würde des anderen. Die Personalistische Norm Wojtyłas formuliert es so: Die menschliche Person ist um ihrer selbst willen zu bejahen und zu lieben. Liebe ist damit nicht etwas Hinzukommendes, sondern entspringt der Einsicht in das, was der Mensch von sich aus ist.
In der dritten Dimension des Personseins zeigt sich die Liebe als Selbsttranszendenz: Der Mensch geht über sich selbst hinaus, er öffnet sich für den anderen als Jemand, er verschenkt sich an ein Du. Spaemann betont, dass ohne die Liebe keine wahre Gemeinschaft von Personen und letztendlich überhaupt keine Personen bestehen könnten. Echtes Geben setzt echtes Empfangen voraus und umgekehrt — die interpersonale Beziehung ist wesentlich reziprok (vgl. Bexten 2017, S. 238—260).
Die eheliche Liebe zwischen Mann und Frau bringt die ganze Tiefe des menschlichen Personseins zum Vorschein: Zwei Personen geben sich einander hin — mit Leib und Seele, ganz und vorbehaltlos. Sie verschmelzen nicht zu einer Person, denn jede bleibt ein eigenständiges Wesen — aber sie durchdringen einander geistig. Das Kind ist das leibhaftige Geschenk der ehelichen Liebe: ein neues, einmaliges, unwiederholbares eigenständiges Wesen, eine neue Person. Im Gegensatz zur Selbsttranszendenz steht die curvatio in se ipsum — die egoistische Verkrümmung in sich selbst, das ständige Um-sich-selbst-Kreisen als Verfehlung der Freiheit.
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.7.5), Kapitel 1
Ontologische Einordnung: Oberbegriffe: Interpersonale Relation, Urphänomen (als Personale Liebe); Unterbegriff: Bräutliche Liebe
Ontologische Beziehungen:
- setzt voraus: Freier Wille
Siehe auch:
- Person
- Personsein
- Menschliche Person
- Personalistische Norm
- Würde
- Freiheit
- Vernunft
- Jemand
- Bejahung
- Selbsttranszendenz
- Verzeihen
- Erste Dimension
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Einsicht
- Erkenntnis
- Wahrheit
- Innerlichkeit
- Intentionalität
- Leib
- Seele
- Leib-Seele-Einheit
- Substanz
- Embryo
- Personvergessenheit
- Personverhalten
- Actus humanus
- Agere sequitur esse
- Tugend
- Verantwortung
- Natur
- Interpersonalität
- Urphänomen
- Basale Relationen
- Personbegriff
- Karol Wojtyła
- Robert Spaemann
- Max Scheler
- Hans Eduard Hengstenberg
- Josef Seifert
- Kapitel 4: Personsein