Bildung ist der umfassende Prozess der Entfaltung der personalen Erkenntnisfähigkeiten und der sittlichen Urteilskraft. Sie zielt nicht auf bloße Wissensvermittlung, sondern auf die Befähigung der Person zur eigenverantwortlichen Aktualisierung der zweiten und dritten Dimension des Personseins. Bildung ist damit ein Entwicklungsprozess, der die ganze Person betrifft.
Bildung setzt die grundlegende Erkenntnisfähigkeit der Person voraus und entfaltet sie in Richtung auf Wissen, Einsicht und letztlich Weisheit. Sie ist wesentlich interpersonal: Der Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden ist nicht bloßer Informationstransfer, sondern personale Begegnung. Der gebildete Mensch unterscheidet sich vom bloß informierten dadurch, dass er zur eigenständigen sittlichen Urteilskraft befähigt ist.
Erziehung
Die Erziehung ist der langfristige Prozess der Begleitung einer heranwachsenden Person in der Entfaltung ihrer Dimensionen. Sie zielt auf die Befähigung zur eigenverantwortlichen Aktualisierung der zweiten und dritten Dimension des Personseins. Erziehung setzt die Anerkennung des Personseins des Kindes voraus und darf es nicht instrumentalisieren. Sie ist eine wesentliche Aufgabe der Elternschaft und vollzieht sich primär im Raum der Familie. Die Erziehung respektiert die Freiheit des Kindes und begleitet es darin, seine Vernunft, seinen Willen und seine Fähigkeit zur Liebe zu entfalten.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Entwicklungsprozess
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 259–270 (Zweite Dimension und Erkenntnis), S. 271–289 (Dritte Dimension und sittliche Vervollkommnung).
Weitere Quellen:
- Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 117, a. 1 (zur Frage, ob ein Mensch einen anderen belehren kann).
- Stein, Edith (1932/2004): Der Aufbau der menschlichen Person. ESGA 14. Herder (zur Bildung als Entfaltung der personalen Fähigkeiten).
Siehe auch: Wissen, Weisheit, Einsicht, Person, Personsein, Dialog, Irrtum, Zweite Dimension, Dritte Dimension