Eine Lebensphase ist ein benannter Zeitraum innerhalb der Lebensspanne einer menschlichen Person. Die Ontologie unterscheidet zunächst die pränatale Phase (von der Empfängnis bis zur Geburt) und die postnatale Phase (von der Geburt bis zum Tod). Die pränatale Phase gliedert sich weiter in embryonale und fötale Phase, die postnatale in Kindheit und Erwachsenenalter. Jede Lebensphase kann einer Dimension der Grundwirklichkeitsform zugeordnet werden. Entscheidend ist: Während der gesamten Lebensspanne — in jeder Lebensphase — bleibt das Personsein unverändert und unverlierbar.
Embryonale Phase
Die embryonale Phase umfasst den Zeitraum von der Zygote bis etwa zur achten Entwicklungswoche. Bereits in dieser frühesten Lebensphase existiert die Person als geistige Substanz im Leib. Die embryonale Phase ist eine Unterphase der pränatalen Phase und fällt damit in die Erste Dimension des Personseins — das noch-nicht-bewusste Sein der menschlichen Person. Dass die Person in dieser Phase noch kein Personverhalten zeigt, ändert nichts an ihrem vollen Personsein, da dieses in der prote energeia (dem Seinsakt) und nicht in der deutera energeia (der Tätigkeit) gründet.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Pränatale Phase, Lebensphase
Erwachsenenalter
Das Erwachsenenalter ist der Zeitraum des Erwachsenseins innerhalb der postnatalen Phase. In dieser Lebensphase hat die Person in der Regel die volle Entfaltung ihres Personverhaltens erreicht: Erkennen, Wollen, freies Handeln und Lieben in der Zweiten und Dritten Dimension. Das Erwachsenenalter ist disjunkt mit der Kindheit. Auch im Erwachsenenalter kann es zu einem Rückgang in einen Zustand kommen, der der Ersten Dimension ähnelt — etwa bei Demenz —, wobei das Personsein davon unberührt bleibt.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Postnatale Phase, Lebensphase; disjunkt mit: Kindheit
Fötale Phase
Die fötale Phase umfasst den Zeitraum von etwa der neunten Entwicklungswoche bis zur Geburt. Sie schließt an die embryonale Phase an und bildet zusammen mit dieser die pränatale Phase. Während der fötalen Phase setzt sich die leibliche Entwicklung der Person fort — Organogenese, Wachstum und Reifung —, ohne dass sich der ontologische Status der Person verändert. Die Person ist in dieser Lebensphase ebenso ganz anwesend wie in jeder anderen Phase der Lebensspanne. Die fötale Phase fällt wie die gesamte pränatale Phase unter die Erste Dimension des Personseins.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Pränatale Phase, Lebensphase
Kindheit
Die Kindheit ist der Zeitraum der Kindheit innerhalb der postnatalen Phase. In diese Lebensphase fällt typischerweise das Bewusstseinserwachen — der graduelle Übergang von der Ersten zur Zweiten Dimension des Personseins. Das Kind aktualisiert schrittweise seine aktive Potenz zum Personverhalten: Es beginnt zu erkennen, zu wollen und sich selbst als Ich zu erfahren. Die Kindheit ist disjunkt mit dem Erwachsenenalter. Auch in der frühesten Kindheit, bevor das Bewusstsein erwacht ist, ist das Kind eine Person im vollen Sinne — das Personsein gründet nicht im aktuellen Verhalten, sondern im Seinsakt.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Postnatale Phase, Lebensphase; disjunkt mit: Erwachsenenalter
Lebensspanne
Die Lebensspanne ist der Zeitraum von der Empfängnis bis zum Tod einer menschlichen Person. Während der gesamten Lebensspanne ist die Person ganz anwesend (Endurantismus), besitzt unverlierbare ontologische Würde und alle Wesenscharakteristika als grundlegende Befähigung. Jede menschliche Person hat genau eine Lebensspanne. Die Lebensspanne gliedert sich in verschiedene Lebensphasen — pränatale und postnatale Phase —, die ihrerseits den drei Dimensionen der Grundwirklichkeitsform zugeordnet werden können. Der Beginn der Lebensspanne wird durch die Empfängnis markiert, ihr Ende durch den Tod.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Zeitraum; jede menschliche Person hat genau eine Lebensspanne
Postnatale Phase
Die postnatale Phase umfasst den Zeitraum von der Geburt bis zum Tod. Sie ist disjunkt mit der pränatalen Phase und bildet zusammen mit dieser die gesamte Lebensspanne der menschlichen Person. Die Geburt als Übergang von der pränatalen zur postnatalen Phase verändert nicht den ontologischen Status der Person — sie ist ein Ortswechsel, kein Seinswechsel. Die postnatale Phase gliedert sich in Kindheit und Erwachsenenalter. In diese Phase fällt typischerweise das Bewusstseinserwachen und damit der Übergang von der Ersten zur Zweiten Dimension des Personseins.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Lebensphase; Unterbegriffe: Kindheit, Erwachsenenalter; disjunkt mit: Pränatale Phase
Pränatale Phase
Die pränatale Phase umfasst den Zeitraum von der Empfängnis bis zur Geburt. Sie fällt unter die Erste Dimension des Personseins: das noch-nicht-bewusste Sein der menschlichen Person. Die pränatale Phase gliedert sich in die embryonale Phase (bis ca. zur achten Woche) und die fötale Phase (ab der neunten Woche bis zur Geburt). Während der gesamten pränatalen Phase ist die Person ganz anwesend als geistige Substanz im Leib — nicht als “werdende Person”, sondern als Person, deren Personverhalten sich noch nicht aktualisiert hat. Die pränatale Phase ist disjunkt mit der postnatalen Phase.
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Lebensphase; Unterbegriffe: Embryonale Phase, Fötale Phase; disjunkt mit: Postnatale Phase
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 233–236 (Lebensphasen und Dimensionen).
Weitere Quellen:
- Conrad-Martius, Hedwig: Das Sein (1957). München: Kösel. (zur Realontologie der Lebensentwicklung)
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Zeitraum; Unterbegriffe: Pränatale Phase, Postnatale Phase
Siehe auch: