Herz

Das Herz der Person im Sinne Dietrich von Hildebrands (Das Herz, 1977) ist das eigentliche Zentrum der Person neben Verstand und Wille. Es ist der Sitz der tiefen affektiven Wertantworten — der Ort, an dem die Person von objektiven Werten innerlich berührt und verwandelt wird. Hildebrand wendet sich gegen die rationalistische Degradierung der Affektivität und zeigt, dass das Herz kein bloßes Gefühlsorgan ist, sondern ein genuines Erkenntnisorgan für Werte. Die tiefsten personalen Akte — Liebe, Reue, Ehrfurcht, Dankbarkeit — haben ihren Sitz im Herzen, nicht im bloßen Verstand (vgl. Bexten 2017, S. 150–155).

Das Herz als Zentrum der Individualität

Das Herz ist zugleich das Zentrum der Individualität: In ihm drückt sich die unwiederholbare Eigenart jeder Person am tiefsten aus. Hildebrand: Das Herz ist “der individuellste Teil des Menschen”. Während der Verstand auf universale Wahrheiten gerichtet ist und der Wille auf das Gute überhaupt, zeigt sich im Herzen die je eigene Weise, auf Werte zu antworten, zu lieben und sich hinzugeben. Der Ordo Amoris — die Ordnung der Liebe — hat seinen Sitz im Herzen: “Wer den ordo amoris eines Menschen hat, hat den Menschen” (Scheler).

Zentrum des Herzens

Hildebrand unterscheidet zwischen der Oberfläche des Herzens — flüchtige Emotionen, Stimmungen — und dem innersten Kern, dem Zentrum des Herzens. Nur in diesem Tiefenzentrum wird die volle Tiefe der Liebe, der Reue und der Hingabe erreicht. Das Zentrum des Herzens ist das “wahre Selbst” der Person, von dem die tiefsten Stellungnahmen und Wertantworten ausgehen. Es ist der Ort, an dem die Person in ihrer letzten Ernsthaftigkeit engagiert ist.

Das übernatürliche Herz

Die durch die Gnade verwandelte Tiefenschicht des Herzens. Hildebrand zeigt, dass das natürliche Herz durch übernatürliche Einwirkung eine neue, qualitativ höhere Empfänglichkeit erhält — für die Werte des Heiligen, die Liebe Gottes und die übernatürliche Freude. Das übernatürliche Herz ist nicht Zerstörung, sondern Vollendung des natürlichen Herzens: Gratia perficit naturam.

Herz und Affektivität

Das Herz setzt die Affektivität voraus — die grundlegende Fähigkeit der Person, affektiv berührt zu werden. Während die Affektivität das Vermögen als solches benennt, bezeichnet das Herz das personale Zentrum, in dem dieses Vermögen seinen tiefsten Ausdruck findet. Die Affektivität ist das “Herz” der Person — und das Herz ist das Zentrum der Affektivität.

Ontologische Einordnung:

Ontologische Beziehungen:

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.6)

Siehe auch