Erste Dimension
Die erste Dimension des menschlichen Personseins ist die grundlegendste und zugleich am schwersten fassbare: das grundlegende geistige Dasein als Person — noch bevor der Mensch zum ersten Mal bewusst denkt, fühlt oder will. Hedwig Conrad-Martius nennt es das “hypokeimenale pneumatische Sein”: das zugrundeliegende geistige Sein, das geistige Fundament, auf dem alles Weitere aufbaut. Es ist das geistige Da-Sein der Person, bevor und unterhalb von allem Bewusst-Sein.
Diese Dimension setzt gerade kein aktuelles Bewusstsein voraus. Sie ist da, bevor das Bewusstsein erwacht, und sie bleibt da, wenn das Bewusstsein erlischt. In der ersten Dimension gründet die unverlierbare Würde jedes Menschen: Schon der Embryo, der noch nicht die Augen geöffnet hat, ist ein Jemand, nicht ein Etwas. Er besitzt das geistige Fundament als aktive Anlage: Sein geistiges Lebensprinzip — seine Geistseele — durchformt bereits seinen ganzen Leib, von der ersten Zelle an (vgl. Bexten 2017, S. 183—202).
Die erste Dimension umfasst vier wesensnotwendige Merkmale: Die menschliche Person ist (1) real — nicht bloß eine Idee oder soziale Konstruktion; (2) in sich stehend — ein eigenständiges Wesen, keine bloße Funktion; (3) einmalig und unteilbar — ein Original, das durch nichts ersetzt werden kann; und (4) sie besitzt die Möglichkeit zur Bewusstseinsentfaltung als aktive Anlage. All diese Merkmale sind da, sobald der Mensch da ist. Sie müssen nicht erst erworben werden. Die zweite und dritte Dimension bauen auf der ersten auf, können sie aber nie aufheben.
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.7.3), Kapitel 1
Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Dimension Der Grundwirklichkeitsform
Ontologische Beziehungen:
- geht ontologisch voraus: Zweite Dimension
- setzt voraus: Grundwirklichkeitsform
- folgt ontologisch auf: Grundwirklichkeitsform
- hat notwendige Bedingung: Ökosystem
- wird vorausgesetzt von: Zweite Dimension
Siehe auch
- Personsein
- Person
- Menschliche Person
- Zweite Dimension
- Dritte Dimension
- Würde
- Embryo
- Befruchtung
- Substanz
- Seele
- Leib
- Leib-Seele-Einheit
- Akt und Potenz
- Jemand
- Form und Stoff
- Natur
- Personverhalten
- Agere sequitur esse
- Personales Leben
- Biologisches Leben
- Erkenntnis
- Freiheit
- Vernunft
- Innerlichkeit
- Selbstbewusstsein
- Demenz
- Personalistische Norm
- Personvergessenheit
- Personbegriff
- Substanzontologischer Personbegriff
- Basale Relationen
- Urphänomen
- Wesensgesetz
- Wirklichkeitsform
- Liebe
- Hedwig Conrad-Martius
- Robert Spaemann
- Josef Seifert
- Thomas von Aquin
- Kapitel 4: Personsein