Wertantwort
Die adäquate oder inadäquate Antwort einer Person auf den Ruf der objektiven Werte. Die adäquate Wertantwort auf das Sein der Person ist Bejahung und Liebe. Die Wertantwort ist ein Urphänomen — sie kann nicht auf kausale Reaktionen, biologische Triebe oder soziale Konventionen zurückgeführt werden (vgl. Bexten 2017, S. 215—225).
Hildebrand hat die Wertantwort als zentrale Kategorie der Ethik erschlossen: Die Person steht den Werten nicht gleichgültig gegenüber, sondern ist aufgerufen, auf den objektiven Wert des Seienden zu antworten. Diese Antwort ist kein bloßes Gefühl und keine willkürliche Stellungnahme, sondern ein personaler Akt, der sich an der objektiven Wertordnung bemisst. Die adäquate Wertantwort entspricht dem Wert, auf den sie antwortet — sie ist die dem Gegenstand angemessene Antwort. Die inadäquate Wertantwort verfehlt den Wert: Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid eines Anderen ist eine inadäquate Wertantwort auf dessen Personsein.
Die Personalistische Norm — “Die menschliche Person ist um ihrer selbst willen zu bejahen und zu lieben” — formuliert die adäquate Wertantwort auf die ontologische Würde der Person. Die Ehrfurcht ist die grundlegendste Wertantwort und Voraussetzung aller anderen adäquaten Wertantworten: Nur wer ehrfürchtig vor dem Seienden steht, kann dessen Wert angemessen erfassen.
Die Affektivität ist das Organ, durch das die Person Werte erfasst und auf sie antwortet. Das intentionale Gefühl — Ehrfurcht, Freude, Trauer, Reue — ist die affektive Gestalt der Wertantwort. Die adäquate Wertantwort vervollkommnet die Person (Property: vervollkommnet): Wer auf das Gute angemessen antwortet, wird selbst besser. Die inadäquate Wertantwort hingegen wertet die Person ab (Property: wertetAb): Wer das Gute missachtet oder das Böse bejaht, verfehlt seine personale Berufung.
Die habituell gewordene adäquate Wertantwort ist die Tugend; die habituell gewordene inadäquate Wertantwort ist das Laster. Die dritte Dimension des Personseins — die qualitativ vervollkommnete oder verfehlte Existenz — verwirklicht sich gerade in der Wertantwort.
Die Erkenntnis des objektiven Wertes geht der Wertantwort voraus, ohne sie zu determinieren: Die Person erkennt den Wert und ist frei, angemessen oder unangemessen darauf zu antworten. Diese Freiheit der Wertantwort begründet die Verantwortung der Person.
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Urphänomen
- Typen: Adäquate Wertantwort, Inadäquate Wertantwort
- Properties: vervollkommnet, wertetAb
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein, Kapitel 5: Personvergessenheit