Martin Heidegger (1889—1976)
Martin Heidegger wird im Buch nicht als unmittelbarer Gewährsmann für die Personontologie herangezogen, sondern in zweifacher Hinsicht: als Stichwortgeber für Spaemanns Begriff der Personvergessenheit und als Denker des phainomenon, der das methodische Selbstverständnis der Phänomenologie vertieft hat.
Schlüsselbeitrag
Heidegger prägt den Begriff der Seinsvergessenheit: Die abendländische Philosophie hat die Frage nach dem Sein vergessen, indem sie das Sein stets durch Seiendes zu erklären versuchte. Spaemann überträgt diese Diagnose auf die Person: Die moderne Philosophie hat das Personsein vergessen, indem sie die Person stets durch Unpersönliches — Funktionen, Prozesse, Strukturen — zu erklären versuchte. Die Personvergessenheit ist die Analogie zur Seinsvergessenheit (vgl. Bexten 2017, S. 218 ff.).
Zentrale Ideen im Buch
Seinsvergessenheit und Personvergessenheit
Die Parallele zwischen Seinsvergessenheit und Personvergessenheit ist strukturell: So wie das Sein kein Seiendes ist und daher nicht durch Seiendes erklärt werden kann, ist das Personsein kein Personverhalten und kann nicht durch Personverhalten erklärt werden. In beiden Fällen wird das Grundlegende durch das Abgeleitete verdeckt. Das Urphänomen (Sein bzw. Personsein) wird auf Epiphänomene reduziert.
Phainomenon: das sich von sich selbst her Zeigende
Heidegger erinnert an die ursprüngliche Bedeutung des griechischen phainomenon: das, was sich von sich selbst her zeigt. Diese Bestimmung ist für die Methode des Buches wichtig: Die Person zeigt sich — im Blick, im Wort, in der Bejahung, im freien Handeln. Die Aufgabe der Philosophie ist nicht, hinter den Erscheinungen ein “eigentliches” Wesen zu konstruieren, sondern das, was sich zeigt, als das anzunehmen, was es ist. Die phänomenologische Methode (Husserl: “Zurück zu den Sachen selbst”) findet hier ihre tiefste Begründung.
Grenzen der Übernahme
Das Buch rezipiert Heidegger selektiv: Seine Analyse der Seinsvergessenheit und sein Verständnis des Phänomens werden aufgenommen, nicht aber seine Existenzialanalyse des Daseins. Die Personontologie des Buches steht in der Tradition der substantiellen Ontologie (Aristoteles, Thomas, Boëthius), nicht der Existenzialontologie Heideggers.
Stellung im Buch
Heidegger wird in den Kapiteln Wie lässt sich diese Frage beantworten? und Was passiert, wenn wir vergessen, wer der Mensch ist? herangezogen. Seine Seinsvergessenheit dient als Folie, vor der Spaemanns Personvergessenheit als eigenständiger, aber analoger Begriff profiliert wird.
Siehe auch
- Robert Spaemann
- Edmund Husserl
- Rene Descartes
- Aristoteles
- Thomas von Aquin
- Boethius
- Guenther Poeltner
- Edith Stein
- Adolf Reinach
- Personvergessenheit
- Personsein
- Urphänomen
- Wahrheit
- Einsicht
- Person
- Personverhalten
- Bejahung
- Metaphysik
- Phänomenologie
- Menschliche Person
- Substanz
- Substanzontologischer Personbegriff
- Personalistische Norm
- Würde
- Jemand
- Wesensgesetz
- Natur
- Freiheit
- Erkenntnis
- Vernunft
- Intentionalität
- Seinsbegriff
- Erste Dimension
- Empirisch-funktionalistischer Personbegriff
- Kapitel 5: Personvergessenheit
- Kapitel 2: Methode