Das Koma (griech. κῶμα, “tiefer Schlaf”) ist ein Zustand tiefer Bewusstlosigkeit, in dem die Person keine geistigen Akte vollzieht — kein Erkennen, kein Wollen, kein bewusstes Erleben. Gerade deshalb ist das Koma ein Prüfstein für jeden Personbegriff.
Das Problem des empirisch-funktionalistischen Personbegriffs
Der empirisch-funktionalistische Personbegriff bindet das Personsein an die aktuelle Ausübung bestimmter Fähigkeiten — insbesondere an Selbstbewusstsein, Rationalität und Zukunftsinteressen. Ein Mensch im Koma übt keine dieser Fähigkeiten aus. Konsequent zu Ende gedacht, wäre er keine Person. Dies ist der Kern des Ausschluss-Einwands: Der funktionalistische Personbegriff schließt Menschen vom Personsein aus, die wir als Personen anerkennen.
Die substanzontologische Antwort
Der Substanzpersonalismus kann erklären, warum der Mensch im Koma dieselbe Person bleibt. Das Personsein liegt nicht in der Zweiten Wirklichkeit (den aktualen Vollzügen), sondern in der Ersten Wirklichkeit (dem substantiellen Sein der Person). Der komatöse Mensch vollzieht keine geistigen Akte, aber er ist das Wesen, das seiner Wesensform nach zu solchen Akten fähig ist. Das Prinzip agere sequitur esse gilt auch hier: Das Handeln folgt dem Sein, nicht umgekehrt. Wer das Handeln ausfallen sieht, darf nicht auf das Fehlen des Seins schließen.
Die Würde der Person im Koma bleibt daher vollständig gewahrt. Was eingeschränkt ist, ist allein die aktuale Funktionsausübung unter bestimmten Bedingungen — nicht das Personsein selbst. Dasselbe gilt für den Schlaf, die Demenz und die Narkose: In all diesen Zuständen bleibt die Person die Person, die sie ist.
Quellenangaben: Bexten 2017, Kap. 4 (Prote und Deutera Energeia) und Kap. 5 (Personvergessenheit, Ausschluss-Einwand).
Weitere Quellen:
- Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta, insb. Kap. 11 (Bewusstlosigkeit und Personsein).
- Singer, Peter (1994): Praktische Ethik. Stuttgart: Reclam, Kap. 4—5 (Gegenposition: Personsein als Bewusstseinsfunktion).