Strafe
Die Reaktion der Rechtsgemeinschaft auf ein Verbrechen. Strafe ist die Auferlegung eines Übels als Antwort auf eine schuldhafte Verletzung der sittlichen und rechtlichen Ordnung.
Strafe und Würde
Aus personalontologischer Sicht steht jede Theorie der Strafe unter dem Anspruch der Personalistischen Norm: Auch der Bestrafte bleibt Person mit unverlierbarer Würde. Eine Strafe, die den Menschen zum bloßen Mittel der Abschreckung oder der gesellschaftlichen Nützlichkeit macht, ist eine Instrumentalisierung — sie verletzt genau die Norm, deren Verletzung sie ahnden soll.
Thomas von Aquin versteht die gerechte Strafe als Wiederherstellung der gestörten Ordnung der Gerechtigkeit: Wer durch sein Verbrechen die Rechte einer anderen Person verletzt hat, schuldet der Gerechtigkeit eine Antwort. Diese Antwort muss verhältnismäßig sein und die Würde aller Beteiligten — des Opfers und des Täters — achten.
Strafe, Sühne und Wiedergutmachung
Strafe, Sühne und Wiedergutmachung betreffen verschiedene Dimensionen:
- Strafe ist die äußere, rechtliche Antwort der Gemeinschaft auf das Verbrechen.
- Wiedergutmachung ist die materielle Behebung des Schadens durch den Täter.
- Sühne ist der innere, sittlich-geistige Akt, durch den die schuldige Person die gestörte Ordnung in sich selbst wiederherzustellen sucht.
Strafe ohne die Möglichkeit zur Sühne verfehlt ihren tiefsten Sinn: Sie soll nicht nur die Gemeinschaft schützen, sondern auch dem Täter den Weg zur sittlichen Umkehr eröffnen — eine Aufgabe, die in der Dritten Dimension des Personseins liegt.
Strafe und Macht
Macht über die Bestrafung birgt die Gefahr der Personvergessenheit: Wo Strafe nicht der Gerechtigkeit, sondern der Rache, der politischen Kontrolle oder der Abschreckung dient, wird die Person des Bestraften zum Mittel. Das Gewissen der Richtenden muss wach bleiben für die Würde dessen, über den sie urteilen.
Ontologische Einordnung:
- Oberklasse: Handlung
- setzt voraus: Verbrechen, Schuld
Siehe auch: