Die basalen Relationen (bR1-bR5) bezeichnen die fünf möglichen logischen Verhältnisse zwischen dem Personbegriff und dem Menschenbegriff. Sie klären die Frage: Sind alle Menschen Personen? Sind alle Personen Menschen? (vgl. Bexten 2017, S. 96 ff., 126 ff.)
Die fünf Relationen lauten:
- bR1 — alle Menschen sind Personen und alle Personen sind Menschen (Mensch = Person)
- bR2 — alle Menschen sind Personen, aber nicht alle Personen sind Menschen (Mensch ist Teilmenge von Person)
- bR3 — nicht alle Menschen sind Personen und nicht alle Personen sind Menschen (Schnittmenge)
- bR4 — alle Personen sind Menschen, aber nicht alle Menschen sind Personen (Person ist Teilmenge von Mensch)
- bR5 — kein Mensch ist Person und keine Person ist Mensch
Die Wahl der basalen Relation hat existentielle Konsequenzen. Der substanzontologische Personbegriff führt zu bR2: Alle Menschen sind Personen, aber es gibt auch nicht-menschliche Personen (Engel, göttliche Personen). Der empirisch-funktionalistische Personbegriff führt zu bR3 oder bR4. Demnach sind nicht alle Menschen Personen (z. B. Embryonen, Menschen mit Demenz). Singer vertritt explizit bR3/bR4 und folgert daraus, dass Embryonen und schwer behinderte Neugeborene keine Personen sind. Der relationale Personbegriff kann je nach Ausprägung verschiedene Relationen implizieren.
Die Dissertation vertritt bR2: Jeder Mensch ist Person — von der Befruchtung an. Dies folgt aus dem substanzontologisch-relationalen Personbegriff und dem Grundsatz agere sequitur esse. Spaemann: “Es gibt keine potentiellen Personen.” Wer bR4 vertritt, schließt Menschen vom Personstatus und damit von der Personwürde aus — eine Form der Personvergessenheit.
Kapitelzuordnung: Kapitel 3: Was ist eine Person?
Basale Relation
Die basale Relation bezeichnet das mengentheoretische Verhältnis zwischen der Menge der Menschen und der Menge der Personen. Fünf solcher Relationen sind logisch möglich (vgl. Bexten 2017, Kap. 3.3.2—3.3.3). Von diesen fünf wird in der Dissertation die zweite basale Relation (bR2) als die adäquate erkannt und verteidigt: Alle Menschen sind Personen, aber nicht alle Personen sind Menschen — die Menge der Menschen ist eine echte Teilmenge der Menge der Personen. Die übrigen vier Relationen, darunter die Behauptung, nicht alle Menschen seien Personen (bR3, bR4), werden als inadäquat zurückgewiesen. Diese Analyse ist grundlegend für die gesamte Ontologie des Personseins, da sie die Frage nach dem Verhältnis von Menschsein und Personsein auf eine präzise begriffliche Grundlage stellt.
Ontologische Einordnung: Kapitelreferenz: Kap. 3.3.2—3.3.3
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 96–98, 112–130 (basale Personbegriffe).
Weitere Quellen:
- Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta (zum Grundsatz „Es gibt keine potentiellen Personen”).
- Singer, Peter (1979/1993): Practical Ethics. Cambridge: Cambridge University Press (als Vertreter von bR3/bR4: nicht alle Menschen sind Personen).
- Boëthius: Contra Eutychen et Nestorium, cap. 3 (zur klassischen Persondefinition und ihrer Bedeutung für die basalen Relationen).
- Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 29, a. 1–4 (zur metaphysischen Vertiefung des Personbegriffs).
Siehe auch: Personbegriff, Substanzontologischer Personbegriff, Empirisch-funktionalistischer Personbegriff, Relationaler Personbegriff, Person, Menschliche Person, Personsein, Würde, Embryo, Demenz, Befruchtung, Natur, Personvergessenheit, Substanz, Agere sequitur esse, Jemand, Personalistische Norm, Erste Dimension, Erkenntnis, Einsicht, Wesensgesetz, Metaphysik, Freiheit, Leib-Seele-Einheit, Akt und Potenz, Personverhalten, Biologisches Leben, Personales Leben, Begriff, Robert Spaemann, Peter Singer, Boëthius, Thomas von Aquin, John Locke, Derek Parfit, David Wiggins, Rene Descartes, Kapitel 3: Personbegriff, Kapitel 5: Personvergessenheit