Ein Roboter ist ein physisch verkörperter künstlicher Agent mit Sensorik, Aktorik und Entscheidungslogik. Die internationale Normung (ISO 8373:2021) definiert ihn als „programmed actuated mechanism with a degree of autonomy to perform locomotion, manipulation or positioning”. Roboter sind Unterklasse des künstlichen Agenten und strikt etwas, nicht Jemand.
Ontologische Einordnung
Roboter und Person schließen einander aus. Diese Disjunktheit ist nicht gradueller, sondern kategorialer Art. Sie folgt aus drei Grundunterscheidungen:
- Prote Energeia: Personsein ist Erste Wirklichkeit — es ist nicht Resultat einer Fertigung, sondern einer Entstehung aus einer Natur. Ein Roboter wird hergestellt; eine Person wird geboren.
- Intentionalität: Echtes Verstehen ist kein Symbolverarbeiten, sondern das Empfangen der Form. Syntax genügt nicht für Semantik (Searle).
- Operatio sequitur esse: Verhaltensäquivalenz sagt nichts über das Sein. Auch ein perfekt Personverhalten simulierender Roboter ist deshalb keine Person.
Taxonomie
Unterklassen:
- Humanoider Roboter — bipedale, anthropomorphe Systeme
- Pflegeroboter — soziale Begleitroboter und Pflege-Assistenzsysteme
- Kampfroboter und letale autonome Waffensysteme
- Industrieroboter (Fertigungs- und Logistikautomaten)
- Chirurgieroboter (teleoperative Hilfsmittel der Hand des Chirurgen)
Jede dieser Klassen ist Technologie — ein Werkzeug personaler Praxis —, niemals selbst handelndes Subjekt.
Marktlage 2026
Die International Federation of Robotics (World Robotics Report 2024) zählt weltweit rund 4,28 Millionen installierte Industrieroboter. Für humanoide Roboter prognostizieren Marktanalysen (u. a. Morgan Stanley Humanoid 100 Report 2025, Goldman Sachs 2024) bis Mitte der 2030er Jahre zweistellige Milliarden-USD-Marktvolumina und mittlere sechsstellige Stückzahlen pro Jahr im Bereich produktiver Einsätze. Mehrere Hersteller aus den USA, China, Südkorea und Japan haben im Januar 2026 humanoide Modelle der dritten Generation in industrieller Serienfertigung angekündigt.
Ethische Grundspannung
Der Roboter stellt die Personalontologie vor zwei Aufgaben. Erstens bewahrt sie die kategoriale Unterscheidung, die Spaemann als Unterschied zwischen Jemand und etwas formuliert — gegen die Anthropomorphisierungsdrift der Gegenwart. Zweitens würdigt sie den Roboter als Werkzeug: Als Werkzeug kann er der Person dienen. Als Ersatz für personale Begegnung, personale Verantwortung oder personale Würde zerstört er, was er simuliert.
Ontologische Einordnung
Oberbegriffe: Künstlicher Agent, Technologie
Disjunkt zu: Person
Kapitelzuordnung: Kapitel 5: Personvergessenheit
Siehe auch
- Humanoider Roboter
- Pflegeroboter
- Kampfroboter
- Letales autonomes Waffensystem
- Autonomiegrad
- Verantwortungslücke
- KI-Ethik
- Chinese-Room-Argument
- Jemand
- Personsein
- Robert Spaemann
- John Searle
- Joanna Bryson
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 85–110 (Personvergessenheit in Technik und empirisch-funktionalistischem Personbegriff).
Weitere Quellen:
- International Organization for Standardization (2021): ISO 8373:2021 Robotics — Vocabulary. ISO, Genf.
- International Federation of Robotics (2024): World Robotics 2024 — Industrial Robots. IFR Statistical Department, Frankfurt.
- Morgan Stanley Research (2025): Humanoid 100 — Global Report 2025.
- Goldman Sachs Global Investment Research (2024): Humanoid Robots — Sizing the Market.
- Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Klett-Cotta.
- Searle, John R. (1980): „Minds, Brains, and Programs”. Behavioral and Brain Sciences 3(3), S. 417–457.
- Bryson, Joanna J. (2010): „Robots Should Be Slaves”. In: Y. Wilks (Hg.): Close Engagements with Artificial Companions. John Benjamins, S. 63–74.