Der empirisch-funktionalistische Personbegriff bestimmt die Person nicht durch ihr Sein, sondern durch ihre aktualen Fähigkeiten. Wer aktuell über Selbstbewusstsein, Vernunft und bestimmte kognitive Leistungen verfügt, ist Person. Wer nicht, ist es nicht (vgl. Bexten 2017, S. 100 ff., 109 ff., 200 ff.).

John Locke definiert: Person ist, wer sich seiner selbst als identisch über die Zeit bewusst ist. Derek Parfit sieht die Person als Epiphänomen psychischer Kontinuität. Peter Singer fordert: Person ist, wer aktuell Rationalität, Selbstbewusstsein und Autonomie zeigt. David Wiggins vertritt einen modifizierten Locke’schen Ansatz.

Die Konsequenzen sind weitreichend. Embryonen sind demnach keine Personen. Menschen mit schwerer Demenz können den Personstatus verlieren. Neugeborene sind (bei Singer) noch keine Personen.

Die Dissertation kritisiert diesen Personbegriff grundlegend. Er verwechselt Personsein und Personverhalten — er kehrt das Prinzip agere sequitur esse um. Er kennt keine konstitutive Natur, die Person hat kein bleibendes Wesen. Er kann die Würde der Person nicht begründen, weil Würde an kontingente Fähigkeiten geknüpft wird. Er führt zu Personvergessenheit — dem Vergessen, wer der Mensch wirklich ist.

Drei systematische Einwände bilden das Gerüst dieser Kritik. Der Ausschluss-Einwand zeigt, dass der empirisch-funktionalistische Personbegriff notwendig bestimmte Gruppen von Menschen — Embryonen, Schlafende, Komatöse, schwer demente oder schwer behinderte Menschen — aus dem Kreis der Personen ausschließt und damit der gelebten Erfahrung und dem moralischen Konsens widerspricht. Der Einwand der diachronen Identität zeigt, dass psychologische Kontinuität die personale Identität über die Zeit nicht konstituieren kann, sondern sie bereits voraussetzt: Wer sich erinnert, ist derjenige, der es erlebt hat, nicht derjenige, der dadurch erst entsteht. Beide Einwände sind in der Dissertation (Bexten 2017) systematisch entfaltet. Der performative Widerspruch zeigt schließlich, dass jeder, der für diese Position argumentiert, in seinem eigenen Sprechakt das Personsein vollzieht, das er theoretisch auf eine schmale Teilmenge der Menschen einschränken will — er ist eine eigene Weiterführung Bextens (2026) in Anschluss an Apels Transzendentalpragmatik und schließt eine systematische Lücke bei Spaemann.

Die basalen Relationen zeigen: Dieser Personbegriff führt zu bR3 oder bR4. Nicht alle Menschen sind demnach Personen. Die Dissertation zeigt ferner, dass er nicht weltanschaulich neutral ist, sondern auf bestimmten metaphysischen Vorentscheidungen beruht. Descartes’ Zweiteilung von Geist und Körper bildet eine historische Wurzel. Die Alternative ist der substanzontologisch-relationale Personbegriff, der das Personsein im Sein begründet, nicht im Tun.

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Personbegriff

Kapitelzuordnung: Kapitel 3: Was ist eine Person?, Kapitel 5: Personvergessenheit

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 100–109 (empirisch-funktionalistischer Personbegriff), S. 200 (Kritik und Konsequenzen).

Weitere Quellen:

  • Locke, John (1690): An Essay Concerning Human Understanding. Book II, Ch. 27 (Personal Identity).
  • Parfit, Derek (1984): Reasons and Persons. Oxford: Clarendon Press (Person als Epiphänomen psychischer Kontinuität).
  • Singer, Peter (1994): Rethinking Life and Death. Melbourne: Text Publishing (aktualistische Personkriterien).
  • Wiggins, David (1980): Sameness and Substance. Oxford: Blackwell.
  • Descartes, René (1641): Meditationes de prima philosophia. Paris (Zweiteilung von res cogitans und res extensa).

Siehe auch: Ausschluss-Einwand, Einwand der diachronen Identität, Performativer Widerspruch, Substanzontologischer Personbegriff, Relationaler Personbegriff, Basale Relationen, Personsein, Personverhalten, Agere sequitur esse, Würde, Embryo, Demenz, Befruchtung, Menschliche Person, Personvergessenheit, Person, Substanz, Natur, Akt und Potenz, Jemand, Erste Dimension, Leib-Seele-Einheit, Urphänomen, Wesensgesetz, Personalistische Norm, Erkenntnis, Einsicht, Freiheit, Liebe, Seele, Leib, Form und Stoff, Wahrheit, Innerlichkeit, John Locke, Peter Singer, Derek Parfit, Robert Spaemann, Thomas von Aquin, David Wiggins, Rene Descartes, Boëthius, Kapitel 3: Personbegriff, Kapitel 5: Personvergessenheit