Der substanzontologische Personbegriff bestimmt die Person als individuelle Substanz rationaler Natur. Er geht auf Boëthius zurück, der die klassische Definition formulierte: naturae rationalis individua substantia — “Die Person ist ein einmaliges eigenständiges Wesen mit vernünftiger Natur” (vgl. Bexten 2017, S. 117 ff.). Thomas von Aquin übernimmt und vertieft diese Definition. Die Person ist “das Vollkommenste in der ganzen Natur” (perfectissimum in tota natura). Person zu sein ist die höchste Seinsweise.

Drei Merkmale sind wesentlich. Erstens Substanzialität: Die Person ist ein ens per se, ein in sich selbst stehendes Seiendes, kein bloßes Bündel von Eigenschaften. Zweitens Rationalität: Die Person hat rationale Natur als ihr Wesen, nicht bloß als zufällige Eigenschaft. Drittens Individualität: Jede Person ist einzigartig und unvertretbar, ein Jemand.

Im Unterschied zum empirisch-funktionalistischen Personbegriff bestimmt der substanzontologische das Personsein durch das Sein, nicht durch das Tun. Gemäß agere sequitur esse ist das Personverhalten Folge des Personseins, nicht umgekehrt. Berthold Wald hat in Substantialität und Personalität (2005) die philosophiegeschichtliche Linie von Boëthius über Thomas bis Spaemann neu aufgearbeitet und die Rehabilitation des Substanzbegriffs gegen seine neuzeitlichen Kritiker verteidigt.

Die Dissertation vertritt als Ergebnis den substanzontologisch-relationalen Personbegriff (Bexten 2017, S. 129). Die Person ist geistige Substanz im Leib in Relation. Damit wird die Wahrheit des relationalen Personbegriffs integriert, ohne die substantielle Grundlage aufzugeben. In der philosophischen Tradition steht dieser Personbegriff bei Aristoteles (Substanzlehre), Alexander von Hales (Person als Würdebegriff), Josef Seifert (geistige Substanz im Leib), Conrad-Martius (hypokeimenales pneumatisches Sein) und Spaemann (keine potentiellen Personen). Die basalen Relationen zeigen: Dieser Personbegriff führt zu bR2 — alle Menschen sind Personen.

Drei positive Argumente tragen diesen Personbegriff. Das Argument Natur als Grund — in Spaemanns Formel “Es gibt keine potentiellen Personen” zugespitzt und von Josef Seifert ontologisch vertieft — zeigt, dass der Grund des Personseins in der rationalen Natur des Trägers liegt und nicht in der aktuellen Ausübung personaler Akte: Wer die Natur hat, ist Person, unabhängig davon, ob die Fähigkeiten schon, noch oder überhaupt aktualisiert sind. Das Argument vom urphänomenalen An-sich-Sein zeigt, dass die Person kein abgeleitetes Merkmal ist, sondern ein Urphänomen, das sich selbst zeigt und sich jeder reduktionistischen Konstruktion entzieht: Wer die Person ableitet, verliert sie. Das Argument der Einmaligkeit — von Richard von Sankt-Viktor in der Formel persona est rationalis naturae individua existentia und von Spaemann in der Gegenwart begründet — zeigt, dass jede Person eine unvertretbare, unersetzbare und nicht gegen andere Personen aufrechenbare Existenz ist. Diese drei Argumente zusammen, ergänzt um drei Einwände gegen den empirisch-funktionalistischen Personbegriff — Ausschluss-Einwand und Einwand der diachronen Identität (in der Dissertation 2017 entfaltet) sowie der performative Widerspruch (eigene Weiterführung Bexten 2026 in Anschluss an Apels Transzendentalpragmatik, schließt eine systematische Lücke bei Spaemann) —, bilden das dialektische Gerüst der buchgewordenen Argumentation.

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Personbegriff; Unterbegriff: Substanzontologisch Relationaler Personbegriff

Kapitelzuordnung: Kapitel 3: Was ist eine Person?

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 117–120, 129 (substanzontologischer Personbegriff).

Weitere Quellen:

  • Boëthius: Contra Eutychen et Nestorium, cap. 3 (naturae rationalis individua substantia).
  • Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 29, a. 3 (persona significat id quod est perfectissimum in tota natura).
  • Conrad-Martius, Hedwig (1957): Das Sein. München: Kösel (hypokeimenales pneumatisches Sein).
  • Seifert, Josef (1989): Das Leib-Seele-Problem und die gegenwärtige philosophische Diskussion. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
  • Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta.

Siehe auch: Natur als Grund, Urphänomenales An-sich-Sein, Einmaligkeit der Person, Ausschluss-Einwand, Einwand der diachronen Identität, Performativer Widerspruch, Richard von Sankt-Viktor, Person, Substanz, Personsein, Personverhalten, Agere sequitur esse, Empirisch-funktionalistischer Personbegriff, Relationaler Personbegriff, Basale Relationen, Menschliche Person, Würde, Jemand, Form und Stoff, Akt und Potenz, Leib-Seele-Einheit, Metaphysik, Natur, Seele, Leib, Wesensgesetz, Urphänomen, Personalistische Norm, Erkenntnis, Einsicht, Freiheit, Liebe, Innerlichkeit, Vernunft, Selbstbewusstsein, Wahrheit, Erste Dimension, Personvergessenheit, Embryo, Demenz, Boëthius, Thomas von Aquin, Robert Spaemann, Aristoteles, Alexander von Hales, Josef Seifert, Hedwig Conrad-Martius, Berthold Wald, Kapitel 3: Personbegriff, Kapitel 4: Personsein