Substanzontologischer Personbegriff

Der substanzontologische Personbegriff bestimmt die Person als individuelle Substanz rationaler Natur. Er geht auf Boëthius zurück, der die klassische Definition formulierte: naturae rationalis individua substantia — “Die Person ist ein einmaliges eigenständiges Wesen mit vernünftiger Natur” (vgl. Bexten 2017, S. 117 ff.). Thomas von Aquin übernimmt und vertieft diese Definition: Die Person ist “das Vollkommenste in der ganzen Natur” (perfectissimum in tota natura). Person zu sein ist die höchste Seinsweise. Drei Merkmale sind wesentlich: Substanzialität — die Person ist ein ens per se, ein in sich selbst stehendes Seiendes, kein bloßes Bündel von Eigenschaften; Rationalität — die Person hat rationale Natur als ihr Wesen, nicht bloß als zufällige Eigenschaft; Individualität — jede Person ist einzigartig und unvertretbar, ein Jemand.

Im Unterschied zum empirisch-funktionalistischen Personbegriff bestimmt der substanzontologische das Personsein durch das Sein, nicht durch das Tun: Gemäß agere sequitur esse ist das Personverhalten Folge des Personseins, nicht umgekehrt. Die Dissertation vertritt als Ergebnis den substanzontologisch-relationalen Personbegriff (Bexten 2017, S. 129): Die Person ist geistige Substanz im Leib in Relation — damit wird die Wahrheit des relationalen Personbegriffs integriert, ohne die substantielle Grundlage aufzugeben. In der philosophischen Tradition steht dieser Personbegriff bei Aristoteles (Substanzlehre), Alexander von Hales (Person als Würdebegriff), Josef Seifert (geistige Substanz im Leib), Conrad-Martius (hypokeimenales pneumatisches Sein) und Spaemann (keine potentiellen Personen). Die basalen Relationen zeigen: Dieser Personbegriff führt zu bR2 — alle Menschen sind Personen.

Kapitelzuordnung: Kapitel 3: Was ist eine Person?

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Personbegriff; Unterbegriff: Substanzontologisch Relationaler Personbegriff

Siehe auch: Person, Substanz, Personsein, Personverhalten, Agere sequitur esse, Empirisch-funktionalistischer Personbegriff, Relationaler Personbegriff, Basale Relationen, Menschliche Person, Würde, Jemand, Form und Stoff, Akt und Potenz, Leib-Seele-Einheit, Metaphysik, Natur, Seele, Leib, Wesensgesetz, Urphänomen, Personalistische Norm, Erkenntnis, Einsicht, Freiheit, Liebe, Innerlichkeit, Vernunft, Selbstbewusstsein, Wahrheit, Erste Dimension, Personvergessenheit, Embryo, Demenz, Boëthius, Thomas von Aquin, Robert Spaemann, Aristoteles, Alexander von Hales, Josef Seifert, Hedwig Conrad-Martius, Kapitel 3: Personbegriff, Kapitel 4: Personsein